Erster Versuch

Erste Jugendkolumne des Montagsteams

Wupperzeit:

Als vor einiger Zeit die Idee geäußert wurde, eine Jugendkolumne regelmäßig zu veröffentlichen, hatte ich zwei Probleme: Ich wusste nicht, was eine Kolumne ist, ich wusste nicht, was Jugendthemen sind, und überhaupt. In einem solchen Fall der Ratlosigkeit empfiehlt es sich, sich Hilfe zu suchen, also hatte ich die Idee, die Kolumne von so genannten Jugendlichen selbst schreiben zu lassen. Mittlerweile sind im Rahmen dieses Projektes 15 Kolumnen von sechs Autorinnen und Autoren erschienen, von Anfang an war die Kolumne als offene Teamkolumne geplant, ständig offen für Gastschreiberinnen und Gastschreiber, dieses Team hat sich mittlerweile gebildet. Es ist die erste Teamkolumne, die heute erscheint, wir schreiben sie also gemeinsam, lesen Sie hier, was ich immer noch nicht weiß, vielleicht, oder vielleicht doch, was nämlich eine Kolumne ist, was Jugendthemen sind, - lesen Sie bitte selbst:

Kindermund:

Was denn eine Kolumne sei, fragte ich vor ein paar Wochen im Deutschunterricht. Bisher habe ich noch keine Antwort bekommen, obwohl Frau C. versprochen hat, sich damit zu beschäftigen. Es scheint wohl nicht leicht definierbar zu sein.
Was ich mache, wenn ich eine Kolumne schreibe? Ich schreibe, vor mich hin. Es ist etwas anderes, als wenn ich irgendeinen Prosatext schreibe, es ist schon etwas gezieltes, mehr Schreiben mit Programm, als ich es sonst mache.
Ich will etwas sagen. Die Finger auf offene Wunden legen – das würde meine Deutschlehrerin sagen. Aber ob ich, ob wir, als Jugendliche, in der Lage sind, offene Wunden wirklich zu erkennen? Ob wir den nötigen „Durchblick“ besitzen?
Vielleicht ist es auch nicht nur das. Vielleicht ist es auch viel öfter ein „Hallo, hier bin ich“, ein Tusch und wir präsentieren die eigene Welt, auf dem Silbertablett. Eine Welt, in der alles Wichtige noch banal scheint und alles Banale noch so wichtig. Aber vielleicht ist es auch andersherum. Ein Hilfeschrei und/oder ein Helfenschrei. Womöglich einfach ein Verstehenschrei.
Aber ein Schrei, darin muss man sich auch üben. Wer sich auf Bergkuppen stellen kann und alles in die Welt hinaus schreien, der ist frei.

Bloodmandarin:

Au ja! Tolles Thema, Frau Kindermund!
Was ist eine Kolumne?! Du hast schon Recht! Es ist ein Schrei! Zwar will ich auch bei meinen anderen Texten etwas aussagen, aber dort versuche ich einfach nur meine Empfindungen zu kompensieren, während ich bei einer Kolumne versuche, Menschen für ein bestimmtes Thema empfindsam zu machen und sie zum Nachdenken zu animieren.
Nun zu einem anderen Stichwort, dass du aufgeworfen hast…“Durchblick“….Was ist schon Durchblick!? Ich bin der Meinung, dass zum Durchblick etwas mehr gehört, als nur ein wenig Lebensroutine und Philosophie entwickelt zu haben, wie manche „Erwachsenen“ behaupten entwickelt zu haben. Im Grunde genommen bleibt doch ein jeder Mensch ein Kind, ein Neugiertier, ein Drangzwangwesen… Geprügelt von eigenen Erfindungen, getrieben von eigenen Erfahrungen, geknebelt von eigenen Empfindungen! Ist es überhaupt möglich einen Durchblick zu haben, in dieser völlig verqueren Welt?
Und schlussendlich komme ich zu deinem schönen Bild des Silbertabletts, weil ich denke, dass es genau das ist, was eine Kolumne ausmacht; es ist eine Verschiebung des Blickwinkels zu einem bestimmten Thema und ein Aufruf zum Denken. Außerdem stellt man sich selbst ein wenig in den Mittelpunkt, weil man sagt „Hört her! Ich habe was zu sagen, was ihr ganz sicher noch nicht wusstest!“ Und das ist nun die große Frage! Was gibt es denn überhaupt noch, mit dem man andere Leute berühren und aufrütteln kann, nachdem jeden Tag neue Hiobsbotschaften und schreckliche Bilder gezeigt werden, stumpft das Gehirn doch ab und man kann nicht so richtig einschätzen, was man nun davon als notwendig einstufen soll.
Aber ich glaube, ich rede mich zu sehr von Thema weg… Und das ist nun deine Aufgabe, Frau para-gone, schließe den Kreis und finde den Bogen zurück zum Thema…Ich hoffe, du kannst was anfangen mit diesen unvollständigen Ansätzen und Hier.bin.ich-Rufen!

para.gone:

Ich weiß nicht, ob die Notwendigkeit besteht, im Zeitalter der Postmoderne ernsthaft über das, was eine Kolumne „sein sollte“, zu diskutieren– oder gerade jetzt? Anything goes, und das gilt vermutlich auch für die meisten Kolumnen; man betrachte sich nur die Kolumnen auf KV.de: Manche gehen kurz mal um die Ecke, andere ausführlich auf die Literaturwelt ein und einige stolpern eher, als dass sie gingen, oder gehen gar nicht mehr.
Dem, was ihr beide zur an den Leser gerichteten Intention einer Kolumne gesagt habt, möchte ich nichts mehr hinzufügen: Kolumnen richten den Scheinwerfer des Bewusstseins auf das Thema, über das der jeweilige Autor gerade schreibt – oder bewusst und hinterlistig an von diesem Thema weg.
Aber wie sollten diese Themen - rein hypothetisch gefragt -eigentlich aussehen, auf die eine Jugendkolumne ihr Scheinwerferlicht werfen könnte? Die besonderen Themen der Jugend sind ihre Identität, ihre Individualität, ihr Infragestellen institutionalisierten Ideale. Eine Jugendkolumne könnte ihr Scheinwerferlicht auf die Absurditäten der heutigen Gesellschaft, der Lebensumstände des Autors, des konkret betrachteten Themas werfen und diese bloßstellen. Eine Kolumne könnte aber auch ein Versuch sein, die Identität ihres Autors, sein eigenes Wertesystem, seine Vorstellungen von Wahrheit, Gerechtigkeit und Individualität zu betrachten. Ich schreibe „zu betrachten“ und nicht „zu hinterfragen“, weil er das jeweilige Thema, nachdem er es in das Korsett einer Kolumne gepresst hat, erst einmal in Ruhe beschauen kann. Dann hängt er sie sich wie ein Bild, oder, besser: wie einen Spiegel an die Wand seines Bewusstseins; das Geschriebene wird damit zu einem Spiegel, der nicht nur das, was den Autor in dem Moment umgibt, in dem er sich in ihm betrachtet, sondern auch ihn selbst reflektiert. Das Licht, das dabei auf den Spiegel fällt und ihm ermöglicht, etwas in der Finsternis der Welt zu erkennen, ist die Intention, die ihn mit seinem Leser verbindet.

Schattenherz:

Ich erlaube mir jetzt einfach diesen geschlossenen Kreis zu unterbrechen und besitze dazu noch die bodenlose Frechheit abzuschweifen und nicht auf die Natur der Kolumne, sondern auf das Ganze Drumherum einzugehen. Ich denke für Euch, die Leser dieser Schnipselkolumne, ist es sicher auch interessant zu erfahren, wie es überhaupt soweit kam. Also, es war einmal vor langer, langer Zeit ein alter Mann. Dieser lebte in einem tiefen Tal, das seinen Namen vom putzigen Bächlein „Wupper“ erhielt. Und dieser Mann, um mal vom lästigen Märchengebrabbel abzukommen, hieß bei kV „wupperzeit“ und war (ist immer noch) der beste Jugendbeauftragte, den wir je hatten. Auf jeden Fall hatte dieser Herr die Idee, dass die Jugend von keinVerlag.de doch einen Tag der Woche (den wunderschönen Montag, Tag der Müdigkeit und zehn Stunden Schule) nehmen und an diesem Tag jede Woche eine Kolumne verfassen könnte. Der Vorschlag wurde schnell angenommen und so kam es, dass der Montag „unser“ Tag wurde. Nach einigen Startschwierigkeiten (Es kamen keine Kolumnen bei wupperzeit an, so musste er selbst tätig werden) hat sich dann doch ein freundlicher, gutaussehender, intelligenter und einfach göttlicher junger Mann daran gemacht die erste „Jugend“-Kolumne zu verfassen. Es sollte einige Zeit dauern bis der freundliche, gutaussehende, intelligente und einfach göttliche junge Mann seine nächste Kolumne verfassen würde, denn zu allen diesen Eigenschaften kam noch eine schier grenzenlose Faulheit, Unorganisiertheit und Vergesslichkeit hinzu. Also wurden nach und nach von verschiedenen Leuten Kolumnen verfasst und so kam dann letztendlich bei der Frage nach einer Teamkolumne (welche auch rasend schnell gewünscht wurde) unser Team zu Stande. Und nun bin ich fast am Ende meiner Erzählung angekommen, die Organisation holpert nach wie vor an der ein oder anderen Stelle (ich habe heute Morgen {Sonntag} um 10 Uhr diese Mail lesen können und erfahren dass ich doch auch noch etwas schreiben soll) aber alles in allem sehe ich der Zukunft positiv entgegen. In diesem Sinne, ein Hoch auf die Jugend und ein freundliches „We Will Fucking Rock You Down“, viel Spaß mit der neuen Jugendkolumne im Team.

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