Ein Hamster

Tja, es ist, wie es ist: ich kann immer nur eine Sache vernünftig machen, es versuchen, meine Aufgabe für heute Abend: eine Kolumne zu schreiben und an dem Projekt teilzunehmen: „Wäre ich ein Tier, wäre ich…“, ich empfehle letzteres hiermit einmal ausdrücklich. Also, wie gesagt: tja…


Gestern fand unser monatliches NRW-Treffen statt, der „Pott-Stammtisch“, ich bin mit dem Zug gefahren, dieses Mal, es war heiß, für die 40 km von Wuppertal nach Essen benötigte ich gestern 90 Minuten, wegen Bauarbeiten der Deutschen Bahn AG, es war heiß und stickig in dem Zug, Umsteigen in Hagen…Und schon in Gevelsberg stieg jemand ein mit Gitarre, Vollpsycho, das erkenne ich auf den ersten Blick, sie setzen sich meistens neben mich, und dieser traurige Tropf wollte tatsächlich etwas vorspielen, ob es jemanden störe, und mein angewiderter Blick hat ihn ermutigt, unglaublich, und dann: „Marmor, Stein und Eisen bricht…“, wie kann man das heute noch spielen, es ist ja verbrauchter als „Yesterday“, - grauenhaft falsch und kein bischen textsicher, und ich versuchte, über das Projekt nachzudenken, und ich dachte: „Wäre ich ein Tier, dann wäre ich gerne ein Hund und würde ihn in die Hand beißen.“

Auf den Plätzen neben mir gibbelten zwei Teenager, das ist mir eigentlich lieber, als wenn jemand schief singt, aber beides zusammen, nun: in meinem Auto wäre da die Beifahrertüre aufgegangen und die Fahrt für meine Mitreisenden zu Ende gewesen, geht nicht in einem Zugabteil, aber ich dachte: „Wäre ich ein Tier, dann wäre ich gerne eine Spinne, und die Gören wären vor Schrecken starr.“ Wenn die heutige Jugend überhaupt noch vor etwas Angst hat.

In Essen fragte ich nach dem Weg zu unserem Treffpunkt, gelegentlich verlaufe ich mich ein wenig, selten verfahre ich mich, und tatsächlich gingen zwei Passanten wortlos an mir vorbei, wie an einem Penner, der ein Almosen erbetteln will, und ich: wollte ein Lama sein, dass sie anspuckt, - ich nehme so etwas gerne einmal persönlich übel. Nützt aber meistens nichts.

Das Treffen selbst war interessant und lustig, und aufregend, und lehrreich (Wussten Sie, dass die Vorsitzende unseres kleinen Internetvereines nicht weiß, was eine dynamische Website ist? Nicht weitersagen bitte, ich habe immer nur gehofft, dass die anderen Gäste im Lokal nicht merken, dass wir eine Internetcommunity sind, ihr ständiges: „Mir ist scheißegal, was eine Datenbank ist,..“ nun, demnächst erhält sie im Vorstand einen Berater zur Seite gestellt.), und überhaupt. Ach ja, ich bekam ein Katzenbuch geschenkt, wie doch manchmal alles zusammen passt und eben nicht…

Zwischenzeitlich war ich mit einer jungen Dame aus unserem kleinen Kreis eine Kleinigkeit essen, der Koch im „UPH“ (unserem Treffpunkt) hatte einen seiner schwärzeren Tage, und da wir, wenn wir Tiere sein wollen, keine Schweine sein wollen, die alles fressen, - und ich habe ihr zugehört und gedacht: Ich möchte kein Tier sein, jetzt nicht, jetzt bin ich froh, dass ich ein Mensch bin: und überhaupt.

Die Rückfahrt war wieder grauenhaft, nicht schlimm, man muss immer im Ganzen zufrieden sein, nicht im Einzelnen, und um die Frage zu beantworten, um die es geht in dem empfehlenswerten Projekt:

Wäre ich ein Tier, so wäre ich gerne ein Hamster im Wuppertaler Zoo, der junger Dame und älterem Mann bei einem Gespräch zuhört, das aufgezeichnet wird, aber dazu später mehr, so versteht man es noch nicht, nur: ich freue mich darauf, und: einen Gruß und Dank, - und:

Einen schönen Tag.

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