Herz von Marburg, und:…

Vorigen Montag ist keine Kolumne erschienen, meine Schuld, ich war dran, war aber nach dem Treffen in Marburg zu müde, und: rechte Lust hatte ich auch keine…Entschuldigt das, bitte. Übrigens, Marburg:

Es waren auch junge Autoren anwesend, in Marburg, erfreulich viele, und: an der Außenwand des Turmrestaurants, in dem unser Treffen stattfand, blinkte ein riesiges Herz, und: es gibt eine neue Jugendvertreterin. Jugendliche Autoren anwesend waren ca. zehn, das Herz war eine Werbeaktion einer Kontaktbörse, die neue Jugendvertreterin heißt Julia „Jule“ Kindermund.

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Theoretische Praxis #38 (Wie verführe ich einen Ast?)

von Wechsel-Haft

Hatte er sich bewegt? Der weiße Vorhang, eine Wand aus Schnee. War ein Windhauch eingestiegen? Gemalt in ein weißes Zimmer. Nur mit einem Holzbett versehen. Wir sinnierten noch eine Weile darüber. Irgendwo über der Bergkette, die wir hinter dem zugezogenen Fenster vermuteten, musste er geboren worden sein, der Wirbel, der uns aufmerksam werden ließ.

“Wie verführe ich einen Ast?” war endlich die Frage gewesen, die mein Interesse an ihm weckte.
Und jetzt lagen wir in diesem weißen Zimmer auf dem einem Bett in einem Abstand von zwei Metern voneinander und vermuteten den Himalaya hinter den zugezogenem Fenster.
Der Morgen noch jung und unsicher, zeigte uns, dass wir bekleidet waren, noch immer unschuldig in unserem Zusammensein, obwohl ich als “Ast” seine Herausforderung war.

Aus der Ferne hinter den Vorhängen Klänge, wie Rohre, riesige Weltenrohre, gegen die Riesen stoßen, während sie dazwischen Verstecken spielen. So klingt es in die Stille des jungfräulichen Tages und in unser erstes Schweigen. Noch dauerte es bis der Tag, betrogen, gedemütigt und vergewaltigt, im Grabe landen würde.

Er wollte Fotos sehen, von mir. Dann enttäuscht, weil keine Nacktbilder darunter zu finden waren, kam er zu der Feststellung, dass ich in der Tat ein Ast sein müsse.
Energisch, mein Sprung zur Schneewand. Mit einem leichten Knallen riss ich sie entzwei und wir starrten auf den Dachfirst des Nachbarhauses.

Beendet.

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Milchkaffee

von para.gone

Schon seit einiger Zeit konnte ich das Trommeln auf meinem Körper wahrnehmen. Fahriges Zittern, Unaufmerksamkeit, der Blick durch das Seitenfenster. Das Telefon zitterte und der Regen klatschte auf die beschlagene Frontscheibe. Hastig fummelten meine Finger das Handy aus der Hosentasche der Anzugshose, ihr Muster das eines Leichentuchs. Der Blick in den Rückspiegel des Busfahrerszeigte mir nichts, nicht viel zumindest, der typische Januarregen der Großstadt verdeckte mit seinen Vorhängen aus Perlentropfen den Blick auf die Einsamkeit der nächtlichen Straße.

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erdrückendes badewasser

von paradoxa

ich lag in der badewanne, abends, nachts, und hatte keinen schwamm, darum nahm ich die fingernägel

< Sie war siebzehn, noch nicht erwachsen und auch nicht fast >

ich musste in den nächsten stunden noch zwei schleifeninvarianten suchen, beweisen und ein dynamisch rekursives programm zur bestimmung der quadratur des kreises schreiben – und konnte nur daran denken wie es ist sich den ganzen schmutz einmal von der blanken haut zu kratzen

< Manchmal war sie wie ein kleines Kind, das keine Klettverschlüsse hatte >

wie schön es war den dreck unter den fingernägeln zu sehen und ihn dort zu entfernen, offensichtlich und leicht wie ein ölfleck auf der straße

< Viel wusste sie nicht über die große weite Welt, nur wie man denkt, dass war ihr Vorteil >

in ruhe zu liegen, das war irgendwie anders als sonst, zumindest für mich. und schon war nächstes wochenende wieder in meinen gedanken, ich war weg, das folgende auch, an einem anderen ort und danach kam schon wieder eine woche voller proben auf mich zu

< Sie machte sich kaputt, viele sagten ihr das, doch nur wenige dachten dabei an sie >

später werde ich das einmal anders machen. ich werde mir eine dusche bauen und tagelang unter ihr stehen

< Gestern hatte sie noch daran gedacht alles hinzuschmeißen, alles was sie vom Steppenwolf unterschied >

dann muss ich nicht mehr so oft baden und nach der Eimerdusche werde ich ein fussbad machen, bis sie aufgeweicht sind

< Sie wollte wieder ein Mensch sein und wusste auch wie es ging, doch Mut war nur ihre äußere Stärke >

ich stieg aus der wanne, nahm ein handtsch und trocknete mich ab, spürte dass die frotte sich echt anfühlte und legte das handtuch ehrfürchtig weg.

< Würde sie es jemanls wieder benutzen? >

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