Weil

Für A.

Weil…Er immer alles verwechselte, alles und jeden, die Tage und die Nächte, nicht, weil er nichts wusste, es strömte zu vieles auf ihn ein, zu viel Ablenkung, zu viele Gedanken, zu viele sinnlose Gedanken, die gedacht werden mussten, zu viele Gespräche, die geführt werden mussten, - Gespräche: immer im Kreis, in verschiedenen Kreisen, aber: immer im Kreis.

Nur heute war es genug und genug für morgen und alle Tage, heute würde er dann und wann das Opfer sein, nicht der Täter, bzw. umgekehrt, heute war er ein Täter, kein Opfer, er musste sich mehr konzentrieren, er war Täter und musste sein Opfer suchen, und wo finden sich Opfer: überall, also ruhig vorwärts schreiten, sich konzentrieren, er musste das wissen, noch heute.

Der Fahrstuhl war eng, zwei Personen passten hinein, vielleicht auch drei, jetzt musste er nur noch warten, auf den Täter, auf das Opfer, besser gesagt, aber so lange er noch nicht handeln musste, konnte er die Begriffe noch verwechseln, ruhig, die Bezeichnungen, die Namen, vor der Philosophie kam die Handlung, jetzt, für heute und für ein paar Tage danach, das auch. In den Keller fahren, also, einige Drähte am Fahrstuhl manipulieren, er musste stehen bleiben, wenn er das wollte, und weiter fahren, das auch, per Knopfdruck, aber keine technischen Details, manchmal geht es um mehr. Dann Warten, wer würde einsteigen, und er wartete auf sein Opfer und auf eines. Nicht zu lange, schon der dritte Mitfahrer, geeignet, war geeignet: Groß und groß, und gut und gut aussehend, schicker und ein Anzug, da passte er hinein, glattes Gesicht, und wie wichtig das war: keine Falten im Gesicht, keine Falten im Gesicht, kein Schmerz, kein Lachen, nur: er durfte das nicht verwechseln, das nicht und nichts.

Und… Drückte er auf den Knopf, der Fahrstuhl stockte und hielt an, und er sah keine Panik, keine Überraschung auf des Anderen Gesicht, auf alles vorbereitet und damit auf nichts. Drückte auf die Knöpfe, eine Weile, nicht zu lange, ein Lächeln, auch für ihn, das beruhigend wirken sollte, aber doch nur alles bestätigte, und beruhigte und alles bestätigte, dann kurzes Warten, - und dann das Handy herausgezogen aus der Jacke, es gab immer eine Nummer, die angerufen werden konnte, eine Nummer für alles, und damit: für nichts. Aber vorher, aber schneller: zog er selbst sein Handy aus seiner Jacke, er zielte sorgfältig, nicht zu hoch, nicht auf den Kopf, immer auf den Anzug, da sitzt die Brieftasche, und die Ordnung, und das war natürlich wieder eine Verwechslung, als er es bemerkte: war es noch nicht zu spät. Also die Pistole, den Revolver, keine technischen Details, und in das überraschte, leicht verärgerte, nun doch ängstliche, das auch, jedenfalls: Gesicht des Opfers, - den Satz:

„Das, und weil, und also ist ein Überfall, eine Entführung, besser gesagt, aber heute kommt die Handlung vor der Philosophie, wir werden jetzt in die Garage fahren, dort steht mein Auto, nicht in das Auto fahren, dort steht die Garage, und dann fahren wir, Sie werden fahren, und in ein paar Stunden sind Sie zurück, wo auch immer, wohin auch immer, ich weiß noch nicht, wo Ihr Zurück dann sein wird,- gut, wir sind da.“

Und jetzt musste er sich konzentrieren, auch wenn schon wieder diese verdammte Müdigkeit in ihm aufstieg, die Autotüre aufschließen, das Opfer vorne einsteigen lassen, er musste hinten einsteigen, mit dem Revolver oder der Pistole, keinesfalls durfte er selbst vorne einsteigen, und sein Opfer musste ruhig bleiben, aber bisher war es ganz ruhig, merkwürdig eigentlich, er versuchte nichts zu verstehen, er fand sich ab, anscheinend, und das durfte ihm selbst auch nicht passieren, und weil, dass er das verwechselte und sich abfand damit, anstatt zu verstehen, - wie auch immer.

Doch… Es schneite auf der ganzen Fahrt, und heimlich beobachtete er sein Opfer von hinten, natürlich, aber bei gewissen Menschen spielt das keine Rolle, ob sie von vorne oder hinten betrachtet werden, sie sehen immer gut und gut aus, doch groß, und sein Opfer fuhr ganz ruhig, nach seinen Anweisungen, von denen die wichtigste war, und weil, und doch:

„Sie dürfen mich nichts fragen und mir nicht antworten, und noch nicht, ich will nichts wissen und Sie dürfen also nichts wissen, und: merken Sie sich den Weg, und:bitte, in einigen Stunden müssen Sie und also: Ihr Zurück alleine finden, und ich meines, und: vielleicht, - und fahren Sie dort vorne rechts hinein, bitte. Und: Vielen Dank.“

Und… Als sie ankamen war der Schnee kniehoch, und es schneite weiter, und in der Hütte war es warm, und er hatte den Kamin vorgeheizt, und er hatte das nicht verwechselt: Und: Es musste draußen kalt sein, dafür innen warm. Und ein paar Lebensmittel mussten da sein, und in der Hütte, und nicht in den Geschäften, und nichts verwechseln, und Getränke, und es gab alles zu kaufen und: damit nichts.

Zuerst einmal: gemütlich, auch hier: es ist alles gemütlich und damit nichts, die Jacken aus, hinsetzen vor den Kamin, was wollen Sie trinken, sind Sie hungrig, nur kurze Antworten, bitte, keine Fragen, nur zur Sache antworten, alles andere: später, und dann versorgt Platz nehmen vor dem Kamin, und dann: worum es geht, das wollen Sie doch sicher wissen, - also:

Weil… Ich immer alles verwechsele, also: kann ich mir nichts mehr merken, es strömt zu viel auf mich ein, und zu viel Sinnloses, und zu viel Geschwätz, und alles im Kreis und in verschiedenen Kreisen, aber keine Ordnung, aber: verstehen Sie, und ich muss etwas wissen, aber: wie findet sich eine Ordnung, ein Sinn in diesen Kreisen, und: wie ich gesehen habe, tragen Sie Ihr Handy rechts: Also: Was meinte Benn damit: Melancholie und Neonlicht, aber, noch wichtiger: Wenn Ihr ahnen könntet, was eine Äone ist- aber woher sollt Ihr das wohl ahnen?, und: was soll denn sein, wieviel Nächte habt Ihr denn alleine durchgestanden, welche Trauer ohne Geschwätz getragen – das Nichts, Euer Nichts war immer noch durchklimpert von Gebetsmühlen und Schuhschnallen – wenn ich Euch nun sagte: im Dunkel leben, im Dunkel tun, was wir können – das soll sein?, - weil:Sie werden mir das erklären, Sie haben eine Ordnung gefunden, einen Sinn in Kreisen, und: ich will gar nicht wissen, ob das tatsächlich so ist, oder: ob Ihre überhaupt die richtige oder sogar: wahre ist, weil: ich will nur irgendeine, meinetwegen Ihre Ordnung, und: es sind Vorurteile, ich habe Sie ausgesucht, weil: Klischee, teures Handy und der Anzug rechts, und: sehen Sie, ich meine: hören Sie: Weil ich zu viel spreche, verwechsele ich alles, und: Ihr Handy und den Anzug, aber: egal, alles gekauft und alles und nichts, und:ich muss doch handeln vor der Philosophie, ich werde Ihnen das vorlesen, Benn, zum Beispiel, weil: nichts Persönliches, Privates, keine Geschichten über Sie und mich, dann: Sie äußern sich zu einem Text, aber: nur zur Sache, und: sonst nichts, und: keine Fragen, nur: die vielen Antworten, auf: das Alles und das Nichts, und dann: Auf Wiedersehen, fahren Sie in Ihr Zurück, und: vielen Dank. Und: nur kurze, ganz kurze Antworten, bitte. Kein: Du spinnst ja, und kein: Na, so geht das nicht, kein Du: und keine Geschichte vor der Philosophie.

Und… Das lief doch ganz gut, jetzt musste er schnell sein, dem Opfer das Glas reichen mit den Schlaftabletten, und dann vorlesen, Die Stimme hinter dem Vorhang, nicht zu langsam, damit er nicht vorher einschlief, und nicht zu schnell, damit er verstand, eine Chance auf ein Verstehen, nicht zu viel und nicht zu wenig, für eine kurze Antwort, das dunkle Glas, Dunkel, das Dunkel, leicht zu merken, und dann lesen, Kapitel 1, Die Beispiele, nur dieser Schnee, sie waren jetzt schon völlig eingeschneit, wie sollte das Opfer finden in sein Zurück, bei den Schneemassen auf den Straßen, aber egal, später, erst die Philosophie, vor der Handlung, und: Sein Opfer trug den Anzug rechts, sein Handy.

Also… : lesen, aber er brauchte das gar nicht zu lesen, er konnte das auswendig, füllest wieder Busch und Tal, ob wir davonkommen ohne gefoltert zu werden, heute bin ich kopflastig, die große Fracht, und ich wandte mich, damit ich alle die Taten der Bedrückung sehen könnte, warum wachst Du, and death shall have no dominion,-

Und: als er aufwachte lag er in einem Krankenbett, und er musste ein wenig blinzeln, und er war eingegipst, verbunden von Kopf bis Fuß, und er starrte in einen Fernseher, der laut plärrte, und die Augen nach rechts,und das ging ja noch, aber sein Opfer im Nebenbett, und auch verbunden von Kopf bis Fuß, und eingegipst und so, und als er merkte, dass seine Finger mit einer Klingel verbunden waren, und er läuten konnte, und: sich verständlich machen, damit wenigstens das Geplärre aufhörte, Handlung vor der Philosophie, und dann die Schwester, und: Na, endlich wach, da haben Sie aber Glück gehabt, Sie und Ihr Freund, so eingeschneit in einer Hütte, und dass Ihr Freund noch Hilfe rufen konnte, bevor das Dach einstürzte, und jetzt ruhen Sie sich aus, Sie haben auch Schlaftabletten genommen, komisch, dass Sie eher wach sind als Ihr Freund, aber der steht ohnehin noch unter Schock, konfus, was er den Rettern erzählte, Entführung, aber warten wir sein Erwachen ab, und jetzt noch etwas gegen die Schmerzen, und sie hielt ein Glas an seine Lippen, und ein dunkles Glas, weil: er immer alles verwechselte, und er hatte aus dem falschen Glas getrunken, und als sie gegangen war, -

die Stimmen aus dem Fernseher, und er war nicht froh, nicht traurig, so wie vorher, es gab da keine Ordnung, und keinen Sinn, alles wieder im Kreis, und: alles was er hörte, am Schluss, die Stimme aus einem Fernseher, oder: sein Freund war erwacht, sein Opfer, sein Handyrechts, oder: Anzugrechts, aber: er war nicht sein Freund, er war sein Leidensgenosse, der, warum: hatte er Hilfe gerufen, mit dem Handy rechts, er war sein Leidenstäter, einer, aber: die Handlung vor der Philosophie, und was er noch hörte, das war: der Tod ist eine solche infame Sache, wer einem das anzubieten wagt als Ausklangsfülle, der hat einen schiefen Taktstock, aber: wer das sagte, und: das hörte er schon nicht mehr, weil: lange nicht mehr, und, weil:. endlich, und:

Weil…

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