Ankerung
von Wechsel-Haft
Von Glück. Davon träumen alle. Von Glück. Die Stillung des Durstes, des unendlichen Durstes. Der Wind weht schwach- nein, nicht aus Südost, auch nicht von Nordwest-, er weht einfach, bestreicht den Rücken mit Besänftigung oder bemalt das Gesicht mit Paradiesgedanken, ganz leuchtend. Wie ein jeder es empfindet, wahrnimmt. Blickentfernt grast das Meer, blauwechselnd, am Strand. Der Sand berieselt unsere Traumaugen, bestreicht unsere Phönixperlen, die auferstanden unsere Herzschläge verbergen. Der Atem läuft mit der Welt. Die Lungen blähen sich ertränkt auf und zersprengen Ketten. Ketten aus Mißgunst und Städtegrau.
Da ist Wärme. Pure natürliche Wärme. Da ist Licht. Golden hell gesprenkelt. Da ist Tanz. Ein Segelflug von Gleichgewicht. Ein Tauchgang in das Sein. Hier-Sein. Jetzt-Sein.
Wie, als wenn keine Zeit uns berührt. Und Ewigkeit uns bemuttert, uns zart die Herzen flickt. Uns…-ohne Faden, ohne Nadel, ohne Narbe.
Glimmende Tropfsteine in einer nahen Höhle. Hier ist nur ein Hauch vom Brausen in den Wänden.
Es tropft auf die sandgestreute Haut. Füsse durchgleiten purpurne Strömung, die hinausstrebt zu großen Meeren, zum Sein.
Wolken im blauen Kuppeldom unseres Heims.
Der einzige Ort, den wir wahrnehmen können.
Wie Träume aus Nichts dämpfen sie unsere Trotzschreie, die Kräfte der Gedanken. Pudern uns die Nase, spielen mit dem Rot des Klatschmohnes und betonen die eingeschlossene Sonne im Rapsmeer hinter unseren Blicken.
Im Schilf schleicht ein wahrgewordener Traum umher. In einer Sprache, die wir nicht verstehen, weil wir zu Ich-gestanzt durchs Leben fliehen.
Jasmin mischt sich mit Lindenblüten zum Parfum eines Sommerabends. Benebelt die Sinne zum verstärktem Wahrnehmen. Sinkst du schon in den sicheren Traum vom Kristallpalast?
Das Silber der Sterne glänzt in deinen Tränen, die Zeichen deiner fortgeschrittenen Reinigung sind. Du räumst dich von dir selbst fort. Fort, zu Wüsten, Meeren, Bergen, Bäumen, Menschen, Lichtern, Nächten.
Wie die Nacht dich umhüllt, geborgen wie ein Mutterleib hält, hast du langsam erspürt. Für einen Tag Bewußtsein hast du Reichtum erfahren, verdient, verlebt. Gelebt. Und was ist ein Tag im Jetzt?
Vergiß Tage, Nächte.
Treiben auf Wellenkämmen, auf Federfüßen. Lass Dich küssen. Lass-Dich-KÜSSEN.
Höre. Horche. Immer wieder. Dann gleitest du mit dem Sein in Dir. Der Wind weht. Unvergänglich.
Wovon hier geschrieben wird? Von Glück. Von Dir, Ihnen, Allen.
Von Glück.
Nur von Glück…
