von Wechsel-Haft
Sein Blick ist klar. Er bebt unter den stillen Bildern hinter seiner Stirn, während er die Knöpfe an die Maschine montiert.
Täglich betritt er den Raum, in dem die Wände sich schälen, die Neonlichter flackern und das leise Surren von Mechanismen, die ruhelos laufen, laufen und laufen. Zeitlos. Täglich zieht er die Federn auf, täglich wäscht er das Schmierfett aus seinen schwarzen langen Haaren, täglich klammern sich seine Augen an die mikroskopischen Verästelungen in den Maschinen.
Über seinen Augen liegt Eis. Seit sechundzwanzig Monaten herrscht in ihm die Temperatur von Minus zwei Grad.
Alle paar Monate tauen sie leicht, wenn sie kommt und an seiner Oberfläche kratzt. Kratzt mit ihren neutralen, beherrschten Gedanken, die ihn weiter peitschen über den Parcour, von Erkenntnis zur Erkenntnis bis er um Erbarmen fleht, indem er schweigt.
Verschwindet sie wieder, lässt sie ihn allein im Kampf zurück, im Kampf um den kleinen Grat, den er auf seiner schwarzen Scherbe geht. Geht im Surren, im täglichen Detail, geht in Stille, geht mit einer Freundin, die er nicht liebt, geht mit einem Leben, das ihm gleichgültig ist, seit sechundzwanzig Monaten.
Seit ihre Leben beinahe miteinander kollidiert waren.
An diesem Zug des Lebens hatte er alles gesehen, alles. Den schwarzen Bezug auf dem Innenrand des kupfernen Kelches, den sie in ihren kleinen Händen gehalten hat. Ihre viel zu alten Augen, ihre kalten Züge, ihre bleiche Haut, das Zittern ihrer Nasenflügel. Er hatte gesehen, wie er sie auf einem Scheiterhaufen verbrennen ließ. Zeitlos.
Vor sechundzwanzig Monaten tauchten ihre Blicke in sein Leben ein, stachen es taub und leer. Seitdem schaut er täglich auf Uhrwerke, gnadenlos. Verloren im Nachgeschmack, verloren in einer Erkenntnis, die Stillstand bedeutet.
Bis sie wieder kommt, in einigen Monaten, das Eis von seinen Augen kratzt, blaß, kalt, herzlos, mit ihren viel zu alten Blicken.
Auf der Suche nach ihrem Platz in ihm. Schierling, Nachgeschmack.