Selfdestruction

von Wechsel-Haft

Suizid, wieder. Ein Mal mehr.

Grün ist das Lied, das seine Lippen versprühen. Grün ist das Gefühl, das sich in seinem Magen dreht. Windet, zuckt in den letzten Zügen.

Suizid, wieder.

Geblasst, geblasst, verblasst das Wort, das Wort.

Ihr Wort in seinen Ruinen, Erinnerungen.

Sie atmet irgendwo. Atmet. Atmet.

Blind, wie die Welt. Blind, wie Dornen und Winde. Eine Böe Schmerz, unterhalb seines Blicks.

Ihm fehlt. Rücksichtslosigkeit. Sie zu töten. Sie in seinen Adern. Sie. Rot. Rot. Blutrabenrot.

Er muss warten. Auf Tod. Und morden, sich verstümmeln. Jeden Tag eine andere Farbe.

Am Ende. Reihenfolge: Weiß. Grün. Rot. Sie.

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KV-Projekte

Diese Woche gab es eine ganz wunderbare Veröffentlichung über Regeln für Anfänger bei KV-Kommentaren, von Herrn Farnaby, ganz ausgezeichnet. Wie gesagt. Vielleicht interessiert es einige, nicht nur: neue Autoren bei KV, dass es auch Regeln für die Leitung oder Teilnahme an Projekten gibt, ich schicke voraus: Es sind meine eigenen, sie haben sich aber bewährt, sie beziehen sich größtenteils nicht auf so genannte Schreibprojekte:

1.) Plane das Projekt im voraus von Anfang bis zum Ende:

Grundsätzlich sollte man ein Projekt ganz alleine durchführen können, zur Not. Es empfiehlt sich, das Team am Anfang möglichst groß, zahlenmäßig, zu bilden, vielleicht ist dann am Ende noch ein Drittel dabei. Falls nicht: Siehe oben. Selbst planen heißt: Exakte Zeitplanung, inhaltliche Planung, Festlegung des Ergebnisses. So lange man noch mit einem Team zusammenarbeitet, sollte man das für sich behalten, dass das Projekt eigentlich schon fertig ist. Anregungen aber immer aufgreifen, mit viel Glück erhält man welche und das Team schaut nicht ehrfürchtig auf den Teamleiter, wie das Kaninchen auf die Schlange, wobei die Schlange und das Kaninchen ja ziemlich genau wissen, was als nächstes passiert. So gesehen ein schlechter Vergleich.

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Zu weit. einen Schritt

von Wechsel-Haft

Heute begriff Eva, dass die Zeichnung der Zahl 8 eine Illusion ist.
Sie saß auf ihrem Ikeasofa, starrte in ihren kalten Früchtetee und dachte, wie immer, an nichts. Ihre Hände ahnten, dass sie dabei war, ihren gesetzten Sinn zu überholen, und flohen über ihre Oberarme hinauf zur Halsschlagader.
Als sie den sehr, sehr langsamen Puls erfühlte, strömte ein Schauer durch ihren Stirnschleier.

-Sie kletterte die imaginäre Felswand herauf, ihre Finger umfassten die Kante. Sie zog sich auf die Ebene und starrte über die freie Fläche. Ihr Blick löste sich auf. Wurde Nichts. Wurde Ende. Wurde endlich.-

Wieder ein Mal krampften ihre Zehen schmerzhaft und grundlos. Eva knurrte leicht. Sie hatte voller Überzeugung einen Weg verfolgt. Einen Sinn.
Bis an einem Freitag ihre Innere Stimme sie zum Ausbrechen trieb, als sie auf ihrem Arbeitsplatz gerade einen Tisch für die Warenpräsentation umbaute.
Sie hatte diese Umbrüche gehasst und geliebt, diese Pausen, zwischen den Felswänden, diese weiten Ebenen, die so den Atem befreien konnten.

Doch diesmal löste sich alles auf. Das Ikeasofa, der kalte Früchtetee, die Schmerzen in den Zehen, das Gedankenlose.
Alles verschwand. Zuletzt die Überzeugung von der Acht, der Unendlichkeit. Und es blieb das Endliche.

Eva verschwand.

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woauchimmer

von Micchan

natürlich wäre ich gerne mitgekommen
und natürlich kann ich noch immer nicht schlafen
seltsame Geräusche macht der Wasserkocher
und der Himmel, dunkel, hat noch ein bisschen Hagel ausgekotzt und jetzt stehst du irgendwo und rauchst deine Zigarette.
Ich hoffe, dass du dich auf die Reise machst, du hast vielleicht an ein Zimmer unter dem Dach gedacht, in dem es still ist, ich sehe es genau vor mir, bevor ich einschlafe.
Ich kann nicht mehr einschlafen
Du hältst dich sehr aufrecht
klar dein Umriss, die Nacht gibt dir diese Stille, und du atmest bläuliche Wolken in die Ödnis der Straßen, woauchimmer

und natürlich kann ich noch immer nicht schlafen
du stehst aufrecht und rauchst deine Zigarette

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Schierling, Nachgeschmack

von Wechsel-Haft

Sein Blick ist klar. Er bebt unter den stillen Bildern hinter seiner Stirn, während er die Knöpfe an die Maschine montiert.
Täglich betritt er den Raum, in dem die Wände sich schälen, die Neonlichter flackern und das leise Surren von Mechanismen, die ruhelos laufen, laufen und laufen. Zeitlos. Täglich zieht er die Federn auf, täglich wäscht er das Schmierfett aus seinen schwarzen langen Haaren, täglich klammern sich seine Augen an die mikroskopischen Verästelungen in den Maschinen.
Über seinen Augen liegt Eis. Seit sechundzwanzig Monaten herrscht in ihm die Temperatur von Minus zwei Grad.
Alle paar Monate tauen sie leicht, wenn sie kommt und an seiner Oberfläche kratzt. Kratzt mit ihren neutralen, beherrschten Gedanken, die ihn weiter peitschen über den Parcour, von Erkenntnis zur Erkenntnis bis er um Erbarmen fleht, indem er schweigt.
Verschwindet sie wieder, lässt sie ihn allein im Kampf zurück, im Kampf um den kleinen Grat, den er auf seiner schwarzen Scherbe geht. Geht im Surren, im täglichen Detail, geht in Stille, geht mit einer Freundin, die er nicht liebt, geht mit einem Leben, das ihm gleichgültig ist, seit sechundzwanzig Monaten.
Seit ihre Leben beinahe miteinander kollidiert waren.
An diesem Zug des Lebens hatte er alles gesehen, alles. Den schwarzen Bezug auf dem Innenrand des kupfernen Kelches, den sie in ihren kleinen Händen gehalten hat. Ihre viel zu alten Augen, ihre kalten Züge, ihre bleiche Haut, das Zittern ihrer Nasenflügel. Er hatte gesehen, wie er sie auf einem Scheiterhaufen verbrennen ließ. Zeitlos.
Vor sechundzwanzig Monaten tauchten ihre Blicke in sein Leben ein, stachen es taub und leer. Seitdem schaut er täglich auf Uhrwerke, gnadenlos. Verloren im Nachgeschmack, verloren in einer Erkenntnis, die Stillstand bedeutet.

Bis sie wieder kommt, in einigen Monaten, das Eis von seinen Augen kratzt, blaß, kalt, herzlos, mit ihren viel zu alten Blicken.
Auf der Suche nach ihrem Platz in ihm. Schierling, Nachgeschmack.

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