Weihnachtsplätzchen


Kürzlich habe ich selbstgebackene Weihnachtsplätzchen zugeschickt bekommen, von einer jungen Autorin, die ich durch die Jugendarbeit kennen gelernt habe, und ich habe eine Mail geschrieben an eine Bekannte, die sich über meine Zugehörigkeit zu unserer kleinen Gemeinschaft immer ein wenig lustig macht: Siehst Du, Mitgliedschaft bei KV lohnt sich doch. Manchmal.

Ansonsten gilt es ja als schick, sich als Einzelkämpfer zu definieren oder zumindest zu postulieren, das Individuum stärken, damit die Gemeinschaft stark wird. Das mag auch auf einzelne Individuen zutreffen, um diesen Begriff einmal unironisch zu benutzen, was ich selten und ungern mache, aus vielerlei Gründen, - es trifft zumindest auf die eher starken Einzelwesen zu, die durchsetzungsfähig, überzeugend, in manchen Fällen noch dazu intelligent und klug sind, oder durch andere Qualitäten zu überzeugen wissen, und sei das auch nur, indem sie einen Ball treten oder werfen können oder ohne zu stolpern einen Catwalk entlang spazieren können. Jedem seins. Die These trifft sicherlich nicht auf die schwachen Mitglieder einer Gemeinschaft zu, sie sind die Opfer eines solchen Individualismus, da sie aus sich heraus ihr Leben nicht gestalten oder gar meistern können.

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Vorurteile

Leider, oder auch nicht: leider stecke ich voller Vorurteile. Das heißt: Ich bilde Urteile, bevor ich eigentlich ein Urteil bilden dürfte. Ein gewissermaßen kurzer Prozess, anstatt einer langwierigen (Gerichts-)Verhandlung mit mir selbst.

Ein Beispiel: Menschen beurteilen, deren Charakter, Intelligenz, soziale Kompetenz, so heißt das ja wohl heute, - das dauert bei mir zumeist nur wenige Minuten.Eher weniger, ehrlich gesagt. Man lernt ja viele Menschen kennen, ob man will oder nicht, im Verlauf eines, wie in meinem Falle, mittellangen Lebens mittlerweile, und immer mehr gewinnt man den Eindruck: So viel Zeit habe ich gar nicht mehr, mir für jeden/jede Zeit zu nehmen. Oft höre ich Radio, Jugendsender, das auch, und ich denke immer, wenn ich dann die Jugend höre, was sie denn so gerne mache, beispielsweise am Wochenende: Party machen, Leute kennen lernen. Und ich denke dann immer: wie schön, dass ich nicht mehr jung bin. Dazu habe ich aber nun gar keine Lust. Zu letzterem.

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Weil

Für A.

Weil…Er immer alles verwechselte, alles und jeden, die Tage und die Nächte, nicht, weil er nichts wusste, es strömte zu vieles auf ihn ein, zu viel Ablenkung, zu viele Gedanken, zu viele sinnlose Gedanken, die gedacht werden mussten, zu viele Gespräche, die geführt werden mussten, - Gespräche: immer im Kreis, in verschiedenen Kreisen, aber: immer im Kreis.

Nur heute war es genug und genug für morgen und alle Tage, heute würde er dann und wann das Opfer sein, nicht der Täter, bzw. umgekehrt, heute war er ein Täter, kein Opfer, er musste sich mehr konzentrieren, er war Täter und musste sein Opfer suchen, und wo finden sich Opfer: überall, also ruhig vorwärts schreiten, sich konzentrieren, er musste das wissen, noch heute.

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Texte

Ein Idiot

Kein Beitrag für den Kolumnenwettbewerb

Wenn das Telefon läutet, Sonntags, Sonntagmorgens…Nun, sie war am Telefon, Freundin, ob ich das gelesen habe, Jubiläum unseres Einkaufszentrums, deshalb Verkaufsoffener Sonntag heute, und ob ich mitginge, mitgehen würde, auf einen Kaffee. Nein, natürlich nicht, zwei Alarmwörter, die ein „Nein“ automatisch bei mir auslösen, nämlich die Kombination von „verkaufsoffen“ und „Frau“, also: ich habe schon etwas vor, was denn jemand wie ich vorhabe, ich sei schon verabredet, wer sich denn mit mir freiwillig verabrede an einem Sonntag, außer ihr, also: 16.00 Uhr am Hauptbahnhof, Bahnhofsbücherei.

Tatsächlich war sie schon um 16.30 Uhr da, atemlos, sie hatte sich extra meinetwegen beeilt, Sonnenstudio, liegt ja auf dem Weg, und fast hätte sie sich verbrannt wegen meiner ewigen Hetzerei, warum ich so unfreundlich schauen würde, schon wieder schlecht gelaunt, oder wie, bei dem Wetter, und ich selbst bin von den Frauen, mit denen ich zusammen leben durfte, eine Weile, viel zu gut erzogen worden, um auf so etwas zu antworten, und habe eine Strategie entwickelt mit der Zeit, die lautet: Schweigen, Thema wechseln, das Beste daraus machen. Also noch schnell bei der Bank vorbei, das hättest Du auch vorher machen können, gleich bekommt man nirgendwo einen Platz, ja, ich weiß. Ich weiß.

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Paul G

Gerade hat meine Katze auf mein Sofa gekotzt, ich überlege gerade, ob ich Katzen wirklich so sehr mag, wie ich es in meiner vorigen Kolumne behauptet habe, diese Katze also, meine Meinung über Skinheads hat sich aber überhaupt nicht geändert. Und: Bitte nicht mehr bei mir anrufen, ich mag auch andere Tiere, Elefanten, Eichhörnchen, Nacktmulle, wie Sie wollen, und ich mag auch andere Menschengruppen nicht, beispielsweise Politiker in Talkrunden oder überhaupt. Wen ich, zum Beispiel, mag:

Paul, Paul G, ein riesiger Boxerrüde, gehört der Familie G, der zu KV-Treffen mittlerweile gehört wie der Geißbock zum 1. FC Köln. Ein furchtbar netter Hund, freundlich, enthusiastisch, harmonisierend, anhänglich, er widerlegt Vorurteile, die ich früher gegen Boxer hatte. Muskelstrotzende, geifernde, sabbernde, hässliche Köter, seit ich Paul kenne: keine Rede mehr davon. Jeden Teilnehmer begrüßt er freudig, wobei er allerdings nach Bekanntschaft differenziert, Herrn Owald begrüßt er freudiger als mich, er begrüßt aber jeden, gelegentlich auch Nichtteilnehmer, niemand wird von ihm diskriminiert. Freundlich, eben. Enthusiastisch: Für jede Aufmerksamkeit ist er dankbar, gelegentlich holt er sie sich mit einem gewissen Nachdruck, sei es ein trockenes Brötchen oder ein Streicheln zwischendurch. Harmonisierend: Er bildet sofort ein Rudel, jeder im Raum gehört dazu, und wenn ein Mitglied den Raum kurz verlässt, wird es entsprechend betrauert und nach der Rückkehr freudig begrüßt, freundlich, nach Bekanntheitsgrad, ich schrieb es schon. Bereits. Anhänglich: Hat er jemanden ins Herz geschlossen, und er schließt fast jeden in sein großes, großes Herz, kann es vorkommen, dass er den ganzen Abend versucht auf dessen Schoß zu hocken, zu knuddeln und zu schmusen. Ich erinnere mich da an ein Treffen in Dortmund, Paul den ganzen Abend auf dem Schoß einer Kollegin, die uns leider verlassen hat, aber das war schon ein rührendes Bild, Paul mit seinen vierzig Kilo auf dem Schoß der kaum schwereren Dame. Wobei es ein wenig darauf ankommt, wie nah man an den Gs sitzt, gelegentlich benutzt er Teilnehmer schlicht als Brücke. Dauerbrücke.

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Leo

Dies ist übrigens kein Beitrag für den Jugendkolumnenwettbewerb, lapidar wurde mir mitgeteilt, ich sei „einfach viel zu alt“, es folgten Schimpfworte, - nun, jetzt bin ich in der Jury, ist doch auch etwas.

Aber einmal etwas Anderes: Darf man ein Tier mehr lieben als einen Menschen? Ein Beispiel: Ich habe also eine Katze zu Hause, acht Jahre alt, rotbraun, wunderschönes Tier, und wenn man mich fragt: Wen magst Du lieber, Alter, ey, den grölenden Skinhead in der S-Bahn, oder Deinen Leo, so heißt mein kleiner Liebling, oder noch schärfer gefragt: Wenn Du wählen müsstest, einer von Beiden muss nach Walhalla, Ulf oder… Investieren Sie bitte keinen Euro mehr für Flaschenbier in das stinkende Schwein, wenn man Sie darum angrunzt. Also in Ulf.

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Eine Maus

Gelesen von bratmiez

Dann lag die tote Maus da, vor der Küche, sie hat sie gesehen. Unsere Katze hat die Maus getötet, das ist die Natur, getötet und liegen gelassen. Nur war sie überrascht, dass ihr kleiner Liebling das kann, sie hat das ignoriert, das Animalische in Allen. Seitdem sieht sie die Katze anders an, die Katze und dann mich.

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