Pinocchio

blog_Organisch.JPGDie meisten werden sie kennen, die berühmte Figur aus dem Kinderbuch von Carlo Collodi, in dem Buch werden die Abenteuer einer Holzfigur geschildert, unter anderem eine berühmte Geschichte, als Pinocchio eine immer längere Nase wächst, während er lügt. Man soll eben nicht lügen, oder: Etwas versprechen, wovon nicht einmal man selbst glaubt, dass man es halten kann. Ansonsten möge einem schon während des Versprechens eine Nase wachsen lang und länger, gerne aus Holz.

Hier meine ich die vorsätzlich nicht eingehaltenen Versprechungen, die man Anderen so macht, nicht die fahrlässigen, wie ein Eheversprechen, zum Beispiel, bis dass der Tod Euch scheidet, so etwas suggeriert einem ja nur der „vom Geschlechtstrieb umnebelte Intellekt“, wie Schopenhauer das genannt hat. Ich meine Versprechungen, von denen man in dem Moment, in dem man sie abgibt, schon weiß: Das kann ich nicht halten, werde ich nicht halten, am schlimmsten: Will ich gar nicht halten. Ganz zu Unrecht wird zwischen einem Versprechen und einer Lüge unterschieden, in dem Moment, in dem man ein unhaltbares Versprechen dolus direktus abgibt, lügt man.

Die bekannteste Gruppe der Lügner sind natürlich die Politiker. keine Mehrwertsteuererhöhung, so etwas, aber denen glaubt ohnehin kein vernünftiger Mensch irgend etwas, außer: Dass sie ständig alles, aber auch alles tun werden um an der Macht zu bleiben. Und das ist auch der Hauptgrund, warum Versprechungen gemacht werden, die dann aber überhaupt kein bisschen gehalten werden: Es geht um Macht, um Anerkennung, derjenige, dem etwas versprochen wird, soll dazu verführt werden, den Lügner anzuerkennen und damit seine Macht. Es geht um Eitelkeit, der Lügner erhält und genießt den kurzen Applaus des Versprechens, des Versprochenen, und es geht, am „Ende des Tages“, wie Verona Pooth, oder wie die Tussie heißt, das nennen würde, um Manipulation. Wie in der Kirche soll ich an etwas glauben, an Armageddon oder an Geschwätz.

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Unterwegs

Fotos 42553 Neviges

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mit Nichte in Velbert und Wuppertal.

Dal-Lae Jin, Connie Lehmann und Peter Woelck in Velbert: AugenBlicke!

Zum erstem Mal widmet der Kunstverein BrachLand aus Velbert seine große Jahresausstellung der Fotografie. Die Ausstellung im Forum Niederberg in Velbert zeigt vom 7. Dezember 2008 bis 30. Januar 2009 Arbeiten von Dal-Lae Jin, Connie Lehmann (beide aus Düsseldorf) und Peter Woelck (Foto) aus Berlin. Zur Eröffnung der Ausstellung, am Sonntag, dem 7. Dezember um 11.00 Uhr, werden die Künstler anwesend sein. Es spricht Dr. Karl Erb vom Kunstverein BrachLand. Unterstützt wird die Ausstellung vom Kultur- und Veranstaltungsbetrieb Velbert.
Forum Niederberg, Oststraße 20, 42551 Velbert. Der Eintritt ist frei.

Da-Lae Jin, geboren in Dae-Gu (Korea), lebt seit 1997 in Deutschland. Nach dem Studium der chinesischen Literatur an der National-Universität in ihrer Heimatstadt wandte sie sich der bildenden Kunst zu. Sie nahm an einem Bildhauerlehrgang in Pietrasanta (Toskana) teil und wechselte anschließend als freie Studentin an die Kunstakademie in Lüttich. Dort entdeckte sie die Fotografie. Ihre Themen sind verborgene Welten, die sich an der fotografisch abgelichteten Oberfläche der Objekte spiegeln oder vage andeuten. Für ihre spirituelle Sicht der Dinge wählte Da-Lae Jin nach anfänglichen Versuchen in schwarz-weiß die Farbfotografie, um alle Optionen des Lichts zu nutzen. Mit experimentellen Belichtungstechniken überschreitet sie die Grenzen von Fotografie, Grafik und Malere. Da-Lae Jin lebt in Düsseldorf.

Cornelia Lehmann, geboren in Rees, ist von Beruf Fotografin. Sie lebt in Düsseldorf, wo sie freiberuflich als Fotojournalistin und Werbefotografin tätig war. Sie schoss Fotos im In- und Ausland für unterschiedliche überregionale Zeitungen und Zeitschriften, wie z. B. den Focus und die Welt am Sonntag. Schwerpunkt ihrer Berufstätigkeit und damit der von ihr gewählten fotografischen Disziplin waren Dokumentation und journalistische Reportage. Das bezeugen auch ihre kunstfotografischen Arbeiten, die in gewisser weise eine Verfremdung journalistisch-dokumentarischer Fotografie darstellen. Sie zeigen Schatten von Menschen im flüchtigen Augenblick. Teils irritierende, teils schockierende Fragmente, Alltagsspuren und Spuren von Gewalt werden gezeigt. Die Frage nach der Identität der Person aber liegt jenseits des Bildes, das bei aller Präzision und motivischer Originalität die Antwort verweigert.

Peter Woelck, in Berlin (DDR) geboren, studierte von 1972 bis 1977 Fotografie in Leipzig. Nach Abschluss des Studiums war er als freischaffender Fotograf für Zeitschriften, Verlage und verschiedene Großbetriebe in der DDR tätig; nach der Wende beim BURDA-Verlag, danach als TV- Kameramann und zuletzt als Bildjournalist mit dem Schwerpunkt sozialkritischer Reportagefotografie. Es gibt kaum ein fotografisches Gebiet zwischen Landschafts- und Gebäudefotografie, Porträt und Reportage, auf dem er nicht wahrhaft meisterliche Arbeiten vorweisen kann. Ganz außerordentlich ist aber seine Sicht auf Menschen im kurzen Augenblick außergewöhnlicher Alltagsszenen oder auf vielleicht sogar alles sagender Posen. Peter Woelck lebt heute in Berlin Mitte. Er hatte zahlreiche Ausstellungen in angesehenen Galerien im In- und Ausland.

termine

Nachts

Gelesen von Grufti.Ente

Damals saß ich oft auf dieser Bank, und ich kann mich erinnern: es war eine dunkle, kühle Nacht, obwohl mitten im Sommer, aber eine Jacke brauchte man schon um diese Zeit. Von dieser Bank aus konnte man über die ganze Stadt sehen, ohne selbst gesehen zu werden, aus Städten und aus der Stadt, das habe ich damals sehr geschätzt.

Er kam gegen 23.00 Uhr, den steilen Weg entlang, der zu dieser Bank führte, er war nicht groß, zu hellen Leinenhosen trug er einen dunklen Mantel, und von weitem sah ich: Gleich spricht er mich an, und ich spürte das, obwohl er mich nicht musterte, während er auf mich zuging, er hielt den Kopf mit den langen grauen Haaren gesenkt.

„Montags lese ich immer den „Spiegel“, sagte er, während er sich setzte, „schon seit Jahrzehnten, es ist wie eine Sucht, immer will ich wissen, was die Mächtigen und Ohnmächtigen so machen, als Analyse, das leisten die Nachrichten ja nicht.“

Er gab mir Gelegenheit, etwas zu sagen, oder aufzustehen und fortzugehen, indem er sich eine Zigarette anzündete, aber ich war so müde in dieser Zeit, zu müde, um nach Hause oder sonst wohin zu gehen, ich brauchte noch eine Zigarette, ich brauchte noch ein paar Minuten.

„Da habe ich letztens etwas gelesen“, fuhr er fort, „über merkwürdige Tiere, die in Afrika leben, sie gelten als die hässlichsten Tiere der Welt. Sie leben unterirdisch, in stark kohlendioxidhaltiger Luft, das erklärt einiges aus ihrem Leben, aber nicht alles. Etwa tausend auf ein paar Quadratmetern, in einer Art Staat, also hierarchisch, mit einer Königin als Regierung. Diese pflanzt sich als einzige fort, aber wenn sie schwanger ist, wachsen allen Mitgliedern des Staates Milchzitzen, auch den Männchen. Die Tierchen arbeiten den ganzen Tag, kein schönes Leben, nur für die Erhaltung ihrer Art, sie bewegen sich rasend schnell in ihrer Welt, und zwar vorwärts und rückwärts gleich schnell. Ihnen fehlt ein Neurotransmitter, das bedeutet, dass sie keine chronischen Schmerzen empfinden, sie spüren nur den kurzen, spontanen Schmerz, ein englischer Forscher hat das entdeckt. Für sie ist jede schwere Verletzung lebensgefährlich, da sie keine Schmerzen empfinden, pflegen sie ihre Wunden nicht, deshalb hat der Aggressive dort kaum eine Überlebenschance, sie leben fast friedlich miteinander. Dafür interessiert sich natürlich die Pharmaindustrie, ein Milliardengeschäft, wenn man an die vielen Schmerzpatienten denkt.“

Wir rauchten schweigend, und ich versuchte meine Müdigkeit zu überwinden, als ich aufstand, sah ich ihn nicht an.

„Ein Gentleman kann Akkordeon spielen, macht das aber nicht“, sagte ich, „das habe ich in einem Interview gelesen, auch im „Spiegel“. Und, wenn jemand nur noch Zeit hätte, ein einziges deutschsprachiges Buch in seinem Leben zu lesen, empfiehlt Marcel Reich-Ranicki den „Zauberberg“ von Thomas Mann.”

Es war noch kälter geworden, und als ich nach Hause ging, dachte ich an Neurotransmitter und an Gentlemen, und dass ich den „Zauberberg“ noch lesen müsste, man weiß ja nie.

Unterwegs

Fotos: 42553 Neviges

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ein beschissener liebesbrief.weil mir danach war.weil er an niemanden gerichtet ist.an niemanden

von ungesagt

budapest.bukarest.prag.ich werde dir aus jeder stadt eine karte schicken.st petersburg.da werde ich anfangen.weil das heimat ist.und damit ich ein mal weine.und dann nie wieder.dann.krakau.weil ich es schön finde dort.und zürich.weil ich denke diese stadt wirst du mögen.und luzern.mit dir am see sitzen.nur ohne dich.kopenhagen.dublin.ich werde dir im schnee schreiben.ein mal möchte ich,dass der himmel schneit.wenn wir zusammen sind.und im regen.paris.ich werde dir von den französinnen schreiben.ich werde schreiben,dass du ruhig bei mir bleiben kannst.weil sie auch nicht schöner sind.und keine angst.ich schreibe dir nichts über mich.immer nur über welt.du wirst dich nicht langweilen.ich werde dir bilder schicken.in meiner handschrift.damit du die welt lesen kannst.wie ich sie sehe.damit du ein bißchen sehen kannst.damit ich ein bißchen bei dir bin.ich werde so wenig schreiben wir möglich.vielleicht ein paar worte.vielleicht nur meinen namen.damit du ihn endlich kennst.meinen namen.vielleicht denke ich mir für jede stadt einen anderen aus.damit du dich nicht langweilst.ich werde keinem sagen wozu ich sie brauche.diese ganzen postkarten.diese ganzen briefmarken.und während jemand meine hand hält,schreibe ich dir.mit der freien hand.und wenn ich dafür mit links schreiben lernen muss,werde ich lernen mit links zu schreiben.wenigstens meinen namen.

und andere werden mir zusehen.wie ich rauche.oder wie ich trinke.vielleicht werden sie mich nach hause tragen,wenn ich betrunken bin.wo auch immer zuhause ist.sie werden mein gesicht anfassen und mir zwischen die beine greifen.wir werden über bücher reden.oder worüber auch immer.oder über rein gar nichts.

aber dir werde ich schreiben.

Gelesen

von einem sommer zum nächsten . einer hand in die andere

von ArFeiniel

warum die menscheit jemals damit aufgehört hat,  sich sonne aus den brauen zu saugen,
wird auf ewig rätselhaft zwischen meinen spitzen wohnen - wortweit weltwerts.
gelegenheitstaucher haben mich noch nie fasziniert.
(wie wohl das wetter gewesen sein wird .. damals)
gestattet mir ein wenig verrücktheit
monsieur
ich bin gerade erst aufgestanden und zu jeder anderen tageszeit
in den nächsten drei monaten auch nicht besser.
.. haben sie eigentlich freude am totgeweihten opferperspektiven wechsel
oder zwingt man sie zu dieser tätigkeit?
haben sie holz bei sich? nein? ein beinah wortloses gespräch am offenen feuer, das wäre zum freuen finden sie..
- ach ja, ich vergess mich.

ein weiteres mal entgehe ich der versuchung mir vorzustellen, wie unser blick sich definieren, zusammensetzen, brechen würde, hätte brunelleschi nie die perspektive erfunden.

on everyones inside there lives an hidden english man
(oh frabjous day, calue, caley)
ein verrückt gewordenes rudel radikaler individualisten stürmte gestern abend die straßen.
unter dem einfluss von ungewissheit neigt der mensch zu neu gier - and zurück: gerade erst aufgestanden und zu jeder anderen tageszeit ein neuer mensch. sie auch.
asymptotische beziehungen . was es bedeuten kann, löcher in momente zu schmelzen
mag ihrer zunge im ersten augenblick ungewohnt erscheinen, das legt sich.
schilf auf die augen . fell auf die knie

am sichersten ist sterben immer noch am boden, und
redundante monster sind kein grund zur sorge. meinerseits.

stolz ist ein makel ohne fugen, wenn man etwas verbergen will

tote schmetterlinge tote birkenmottenfliegerlinge tote birken

asche laub gefieder

(Are you quite mad?)

your’s truly,
don’t mess with dragons su

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