wenn du dein spiegelbild sehen könntest,du würdest dich erschrecken

von ungesagt

habe mein gesicht abgelegt.
damit du mir je nach laune
eins aufsetzen kannst.

am ende warst du es,
der gar keins hatte.

und ich sitze in meinem mausoleum.
und mir passt auch keins mehr.

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Anekdoten

Ach, ja, wahrscheinlich seid Ihr es müde, Ratschläge von alten, von mittelalten Männern und Frauen anhören oder durchlesen zu müssen, und, unter uns: Mich langweilt es, welche zu erteilen, abgesehen von meiner Kompetenz, ein trauriges Thema, und ich langweile mich nicht gerne in meiner Freizeit. Mein Chef möge es mir verzeihen, und mich nicht morgen mit den Worten begrüßen: „Wie lange sind Sie eigentlich schon hier, morgen mal nicht mitgerechnet…“, aber ich langweile mich in meinem Job schon genug, trotz des Stresses, es ist eben ein langweiliger Stress. Also erzähle ich lieber kleine Anekdoten, und wer errät, welcher Ratschlag darin unglaublich raffiniert versteckt ist, und wem ich noch dazu einen Preis gönne, der erhält einen von mir. Könnte sein, dass „langweiliger Stress“ schon ein Hinweis ist. Muss aber nicht. Sein.

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Lazy

von Wechsel-Haft

Das Auto ist alt. Aber es fährt. Es rast mit klappernden Türen um die Küstekurven. Weiß angemalt mit Acryl. Die Sonne scheint, das Meer ist ruhig.
Ein Junge streckt seinen Kopf aus dem Fenster des Autos. Der Wind zerzaust sein dunkles Haar. Streicht in seine mürrischen Züge. Im Kassettendeck des Autos plärren die Beatles ‘Here comes the Sun’. Endlos ist der Weg. Seit 36 Stunden unterwegs. Endlosen Strassen durch Wälder, Wüsten, Städte folgend. Der Junge verschwindet aus dem Fenster. Legt sich auf die Rückbank und schaut in den Himmel über dem Meer. Das Brummen des Motors schallt an den Klippen ab, geht unter im Meer.
Das weiße T-Shirt des Jungen flattert im Durchzug. Sein weißer Bauch zeigt Narben von Kämpfen.
Sein Blick gleitet weiter über den Himmel. Manchmal zerscheiden Möwen das Blau. Manchmal kleine Wölkchen. Dann lächelt er. Während das Auto immer weiter gen Süden fährt.

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80 x 80

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Dorothea Weiß, die 2. Vorsitzende des Kunstvereins Brachland eV , steht vor ihrer ersten Ausstellung in Velbert. Die gebürtige Siegerländerin (und danach Hamburgerin) lebt seit 6 Jahren in Neviges - und fand über figurative Themen (zuletzt waren es Indianer, Bleistifte und Teppiche) zu ihrem farben- und stimmungsvollen Thema, hinter dem mehr steht, als man auf den ersten Blick vermutet. Titel wie Mümmmelmannsberg, Halali und 6241 Farben mit Deutschlandflagge versprechen einige Entdeckungen.

Eröffnung: Sonntag, 10. Februar 2008, 11.00 Uhr.
Vorburg Schloss Hardenberg, 42553 Velbert. (Foto: 100 Farben auf 10 x 10 cm)

termine

Bekanntschaft mit Klötzchen

von Micchan

In meinem Schuh, das ist ein Stein
der ist erstaunlich spitz und klein
er kommt mit mir, wohin ich geh’
und piekt mich in den großen Zeh
mit meinem Fuß schieb ich ihn weg
doch als er sich gerührt vom Fleck
taucht er am Ballen wieder auf
und ich tret’ immer wieder drauf!
Ich entschliesse: Er muss raus!
dann zieh’ ich meinen Schuh mir aus
bertrachte das gemeine Stück
das mich hat in den Fuß gezwickt
ja, dieser winzigkleine Stein
war ein recht großer Klotz am Bein

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Selbsthilfekolumne

Nur als Warnung, für die jungen oder naiven Kollegen unter uns: Es gibt im Leben, während eines Lebens, Angewohnheiten, die zur Sucht werden können, nicht nur bei labilen oder entsprechend veranlagten Menschen. Es beginnt ganz harmlos, und irgendwann kann man nicht mehr damit aufhören, die Sucht beginnt das Leben, den Alltag zu bestimmen, es folgt der soziale Abstieg oder so etwas, einige von Ihnen werden mir das bestätigen am Schluss.

Ich heiße Andreas, ich bin Vordemeinschlafenleser. Es begann, siehe oben, ganz harmlos, in der Kindheit, es war verboten, ab einer gewissen Uhrzeit zu lesen, und in dem Verbotenen lag der eigentliche Reiz, der Nervenkitzel, der Sinnesreiz als Anlage für das spätere Verderben. Dann die Schulzeit, die späte, man schaffte seine Pflichtlektüren tagsüber nicht, und so las man sie nachts. Konnte man sich so angeblich auch besser merken, den Inhalt, für den nächsten Tag, die ersten Ausreden für den schleichenden Zerfall. Als Erwachsener zur Entspannung, abends ein paar Seiten, nicken Sie ruhig betroffen: Sie haben ja Recht.

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unumgaengliche wahrheit.

von dunkelkind

es war spaet, als sie in das dunkle zimmer trat und - darum bedacht niemanden aufzuwecken - die schwere tuere schloss. da war es wieder. sie nahm ihn wahr, in jedem atemzug, in jeder bewegung, in jedem einzelnen geraeusch. sie schwirrte trunken von erinnerungen durch den raum und versuchte die gedanken, die sie immer wieder in einen ewigen kreis des fuer und wider fuehrten, anzuhalten.
tief durchatmen. sie zwang sich langsam auf ihre dunkelrote bettdecke, die, noch zerwuehlt von seiner wilden hand, auf der falschlaechelnden matratze lag. sein atem steckte noch immer in ihren kissen, wie ein irrtuemliches geschenk, das man ungeschehen machen moechte.

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