Sonntag

von A.J.

Ich bin nicht hier. Hänge nicht unter hohen Decken in diesem Schachtelzimmer mit unverbaubarer Aussicht nach unten, kaltes Winterlicht durch milchig vertuchtes Glas. Du bist es, du, mit fahlem Gesicht, das Absinthglas in der Hand, man muss Klischees bedienen sagst du, also Absinth. Bitter mit ein wenig Süße, so muss es sein, denke ich, die Hand am Glase wie abgebrochen fern.

Stimmen knistern durch die papiernen Wände. Da sind andere, zwischen den Türen, nur hier, hier ist niemand, bloß eine ferne Hand und ein Glas und immer wieder dieses Lied. Noch einmal, sagst du, noch einmal, und ich gebe nach und spiele es, ein letztes mal, hörst du, ein letztes mal, und dann doch wieder und wieder. Szomorú vasárnap, denke ich, sie singt es in der falschen Sprache, es ist nicht richtig so, es ist alles falsch. Utolsó vasárnap.

Ich bin nicht hier. Nur eine Hand und ein Glas und das Lied, und es ist nicht Sonntag, hörst du. Noch nicht gleich.

Gelesen

Die Raben (von der Schönheit)

von A.J.

Grad sah ich einige Raben,
fast schon vom Zwielicht verschluckt,
im brechenden Himmel sich baden,
erst, und dann niedergeduckt
im gleichfarb’nem dichten Geäste
sich niederlassen zur Nacht.
Ihr flackerndes Auge bewachte
verlorene Schätze: die Reste
zerbrochener Scheiben,
die, längst vergessen von uns,
Kostbarkeiten doch bleiben
in anderem Auge.

Gläsern, die Perle. Tropfend im Staube
rollte sie tanzend hinab,
und ihre Brüder im Kampfe
folgten als nasse Armee
stürzend ihr nach in die reißende See
einer Pfütze. Die Raben, ganz glatt
nun gewaschen, standen an Glanze
dem flüchtigen Spiegel nicht nach.

Fast schon schlief ich
doch Gott sei Dank rief mich
ihr heiseres Krächzen noch wach.

Gelesen

Leo

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

__________________________________________________________________

Seitenanfang
All content is © by the authors | by wupperzeit 2oo4