von A.J.
Ich bin nicht hier. Hänge nicht unter hohen Decken in diesem Schachtelzimmer mit unverbaubarer Aussicht nach unten, kaltes Winterlicht durch milchig vertuchtes Glas. Du bist es, du, mit fahlem Gesicht, das Absinthglas in der Hand, man muss Klischees bedienen sagst du, also Absinth. Bitter mit ein wenig Süße, so muss es sein, denke ich, die Hand am Glase wie abgebrochen fern.
Stimmen knistern durch die papiernen Wände. Da sind andere, zwischen den Türen, nur hier, hier ist niemand, bloß eine ferne Hand und ein Glas und immer wieder dieses Lied. Noch einmal, sagst du, noch einmal, und ich gebe nach und spiele es, ein letztes mal, hörst du, ein letztes mal, und dann doch wieder und wieder. Szomorú vasárnap, denke ich, sie singt es in der falschen Sprache, es ist nicht richtig so, es ist alles falsch. Utolsó vasárnap.
Ich bin nicht hier. Nur eine Hand und ein Glas und das Lied, und es ist nicht Sonntag, hörst du. Noch nicht gleich.
von Kindermund
Sich einer Sache sicher zu sein, das heißt auch nur, dass der Hormonspiegel temporär konstant ist.
von Cat
Du im Pelzmantel: Eine überragende Erscheinung unter der Schwachstromglühbirne.
In mir erwacht eine Kindheitserinnerung
(Muschelmärchen, der Klang deines Lachens, der liebenswerte rosa Bikini, den du hasstest. Du hast den Mantel getragen)
und daran liegt es wohl auch, dass ich mir einen Milchkaffee bestelle.
Wir sollten die Chance auf einen Neuanfang haben dürfen, denke ich.
Die Medizin gegen Herzversagen wie gewohnt auf Ex. Ich stehle dir den Zucker, mit dem du Kreise auf den Tisch zeichnest.
Nasser Betongeruch lockt mich von draussen. „Ich gehe schon mal vor.” … “Ich gehe.“
Unbewegt liest du weiter im Weltgeschehen und bist schön in deiner Grausamkeit.
von A.J.
Grad sah ich einige Raben,
fast schon vom Zwielicht verschluckt,
im brechenden Himmel sich baden,
erst, und dann niedergeduckt
im gleichfarb’nem dichten Geäste
sich niederlassen zur Nacht.
Ihr flackerndes Auge bewachte
verlorene Schätze: die Reste
zerbrochener Scheiben,
die, längst vergessen von uns,
Kostbarkeiten doch bleiben
in anderem Auge.
Gläsern, die Perle. Tropfend im Staube
rollte sie tanzend hinab,
und ihre Brüder im Kampfe
folgten als nasse Armee
stürzend ihr nach in die reißende See
einer Pfütze. Die Raben, ganz glatt
nun gewaschen, standen an Glanze
dem flüchtigen Spiegel nicht nach.
Fast schon schlief ich
doch Gott sei Dank rief mich
ihr heiseres Krächzen noch wach.
von ungesagt
schau:
wenn ich betrunken deinen namen lalle und das ganze haus aus dem bett hupe und du sagst: ich soll nicht fahren wenn ich betrunken bin und ich hör gar nicht hin sondern kritzel dir mit edding
liebesbriefe auf deinen teuren parkettboden oder:fick mich und eigentlich ist es dasselbe weißt du
ich bin gar nicht gefahren ich habe das auto nur bis zu deiner haustür geschoben-das sage ich dir nicht weil du sagen würstest dass ich ein wurm bin und niemals genug kraft hätte- um einfach hupen zu können damit du mich hörst und nicht am nächsten tag einfach sagen kannst dass ich zu leise war
als rechtfertigung für die geschlossene tür und wenn ich lachelachelache obwohl du sagst ich soll mich zusammenreißen und dass ich kindisch bin und unbeherrscht und mir das gesicht waschen soll undundund und ich hör gar nicht hin weil ich so beschäftigt bin dir dabei zuzusehen wie du dich bewegst und überhaupt. dann mach ich das nicht weil ich betrunken bin. sondern einfach nur. um bei dir zu sein.







von Grufti-Ente
Jemand steht auf der Brücke, sagt sie. Er schaut ins Wasser.
Wir haben gerade die Brücke überquert und ich sehe niemanden. Und ein Löwe ist da, sagt sie.
Ich schüttle den Kopf.
Doch, sagt sie, ich bin mir sicher.
Ein Löwe, sage ich. Was soll ein Löwe hier in diesen Breitengraden?
Sie zuckt mit den Schultern, ich weiß nicht, sagt sie. Aber er ist da.
Ich will mich umdrehen und gehen, weil es mir zu absurd ist, ihrer Fantasie zuzuhören.
Bitte, sagt sie, schau noch einmal hin.
Und ich tu ihr den Gefallen und schau noch einmal hin und mit einem Mal sehe ich den Mann und den Löwen. Man sieht sie, wenn man die Augen ganz leicht zukneift.
Siehst du sie jetzt? fragt sie.
Ich nicke.
Und, was denkst du?
Ich denke, er hat Heimweh. erwidere ich
Warum Heimweh? fragt sie.
Er hat Flügel. sag ich. Ein Engel, der nicht im Himmel ist, muss Heimweh haben, oder?
Und der Löwe? fragt sie.
Vielleicht soll der aufpassen, dass er nicht zurückgeht.
Aber warum?
Das weiß ich auch nicht, vielleicht hat er gesündigt oder so. Ich bin doch kein Engel.
Nein, das stimmt. Aber warum starrt er dann so ins Wasser? Sie versucht zu lachen.
Wolken sind doch auch aus Wasser. Vielleicht erinnert ihn das an zu Hause, erwäge ich.
Sie zuckt mit den Schultern, kann sein, sagt sie.
Ja, sage ich, und ich glaube, er sehnt sich nach dem Leben.
Wie kommst du darauf?
Engel leben doch nicht richtig, von daher, kann doch sein, oder? ich glaub, er vermisst es und der Löwe soll ihn bewachen oder so.
Möglich, sagt sie, ich denke, wir sollten die Sache auf sich beruhen lassen, ich brauch noch ein paar Schuhe. Kommst du?
Ich werfe noch einen Blick zum Engel zurück, zum Löwen, die langsam verschwinden, weil die Sonne untergeht.
Dann zucke ich die Schultern und laufe ihr hinterher. Sie braucht noch ein paar Schuhe.
von BInspired
Seine Hände sind wie Erde und Holz,
sie riechen nach Wurzeln.
In seine Hände bette ich meinen Schlaf,
ich träume
unter leise fallenden Blättern, von ihm.
Alles Wasser nehmen seine Hände auf.
Die Steine und Pflaster entlang
meiner Wege atmen nach
wildwachsenden Blumen, nach Wind,
Früchten und See.
Seine Hände sind große, zärtliche Schiffe.
Wir fahren langsam heim.