Währungen

Simma ährlisch, wie wir Rheinländer sagen: Vieles, alles im Leben ist doch ein Geschäft, ein mehr oder weniger erfolg-oder verlustreiches, und für die Abwicklung eines jeden Geschäftes gibt es eine Währung, in der bezahlt werden sollte, um die Bedürfnisse der Partner zu befriedigen. Das ist meistens Geld oder ein Geldwert, bei den höheren, ideellen Dingen ein solches: ein höheres, ideelles. In einer Freundschaft sind das Sympathie, gemeinsame Interessen, Vertrauen, in der Liebe Attraktivität, Zuneigung, auch wichtig: Vertrauen, usw. Aber eben oft auch Geld, meistens Geld, und es ist eine Binsenwahrheit, dass ein Verwechseln der verschiedenen Währungen für verschiedene Zwecke zu Konflikten führen kann bis hin zum Unglück für alle Beteiligten.

Wenn ich also einkaufen gehe, in einem Lebensmittelgeschäft, Discounter oder so, so ist mein Bedürfnis: Sachgegenstände zu erwerben, meine Währung: Geld. Ich suche bei Aldi keine Liebe, Freundschaft, keinen Gott, sondern, beispielsweise: Ein Brot. Das möchte ich effektiv, also möglichst schnell, und günstig, also möglichst billig, kaufen. Mehr nicht. Und wenn ich die Verkäuferin frage: „Wo haben Sie denn bitte das Brot?“, so erwarte ich nicht, dass sie mich für mein Interesse liebt, sie muss mich also auch nicht so anschauen oder so antworten als ob, eine höfliche Antwort genügt, und: eine möglichst korrekte. Ich kann die Menschen nicht verstehen, die da mehr erwarten, von Servicewüsten raunen, das Brot schmeckt mir doch nachher zu Hause nicht besser, wenn ich einen Vortrag darüber gehört habe, oder ein Beratungsgespräch über Mehlsorten über mich ergehen lassen musste. Oder erst meine Katze: Die Verkäuferin hat mir das erklärt, Leo, heute wird Dir Dein Futter besonders gut schmecken, sie hat gelächelt, ich glaube, sie liebt mich, Dich auch, - das geht meiner Katze aber so etwas am Rücken vorbei, glauben Sie mir.

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bekenntnis

von ungesagt

da sitzt man nun.verschlafen.schwarze stoffhose,ein pullover,der drei nummern zu groß ist und schwarze turnschuhe,die irgendwann man weiß waren.nein,das ist mir nicht irgendwie unangenehm.auch nicht,wenn direkt neben mir der vergleich sitzt mit ihren goldenen löckchen,blauen augen,die strahlen.in einem perfekt anliegenden röckchen.das einzige was unangenehm ist,ist die tatsache,dass im gesamten vorlesungssaal nur dieser eine platz frei war,den also jetzt ich belege mit meinem blauen fleck am handgelenk und augenringen,die von keiner brille verdeckt werden.höchstens von den haaren,die ungehorsam ins gesicht fallen.auch das finde ich nicht unangenehm.ich bin ja froh,dass sie zumindest noch am kopf hängen.und ich brauche mir auch nicht vorzustellen wer eher sie als mich ficken würde.da macht sie schon ihren mund auf und versucht intelligente dinge zu sagen,um allen im raum und sich selbst dieses ich-hab-auch-was-im-kopf-ding zu demonstrieren.bis sich einer zwei reihen vor mir umdreht und laut schreit:kannst du nicht endlich mal deine dumme fresse halten.das ist der moment in dem ich denke,dass es sich doch gelohnt hat heute aufzustehen.und ich lächel ihn an und wir begrüßen uns also mit so einem mentalen handschlag und so weiter.und es ist ihm auch nicht irgendwie unangenehm.im nächsten augenblick bin ich ausnahmsweise mal froh,dass man menschen nur vor den kopf und nicht in den kopf gucken kann.wie man das so schön sagt.denn in meinem laufen ständig splatter movies.oder auch mal pornofilme.und ich fühle mich tatsächlich so als würde ich in einem vollgewichsten sessel sitzen.warum ist es eigentlich so abwegig die erste verabrdung in einem pornokino zu verbringen?das wäre doch mal:was anderes.und was anderes.das möchte doch schließlich jeder,nicht wahr?filme verleiten.zum träumen.ich bin ehrlich:nicht meine.da wacht man auf und stellt fest,dass man mitten im alptraum ist.nur ohne aufwachen.
morgens wird man dann gefragt:na,heute nacht gv gehabt?und auf den eigenen blöden blick folgt ein blödes gelächter.anderer.gv.geschlechtsverkehr.das klingt wie eine krankheit.aber eine geschlechtskrankheit hatte ich noch nie.und wenn ichs also so ganz fahrlässig ohne gummi mach,dann möchte ich mich vielleicht einfach mal infizieren.wenn liebe eine krankheit ist.
aber heute macht man das nicht mehr:liebe.das klingt schwul.und wenn liebe machen nur etwas für schwule ist,dann:bekenne ich mich.mein persönliches coming out.phrasen.enjoy your life.

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Prominenz

Heute war ich bei einer Freundin zu Besuch, wir haben fern gesehen, unter anderem. Sie besitzt eine Satellitenschüssel, oder wie das Ding heißt, ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Sender es gibt, die sich wie viele Nischen suchen für ihr Programm, - aber darüber vielleicht ein anderes Mal mehr. Zu Hause schaue ich nicht fern, oder selten, ich schicke das voraus, um hier nicht als Fachmann zu gelten oder gelten zu wollen.

Wir haben also eine Sendung über Prominente geschaut, zunehmend hat mich verbittert, dass ich keinen davon kannte, und meine Freundin machte natürlich meine ständige Frage: „Wer ist das?“ auch ebenso zunehmend aggressiv. Und selbst wenn ich sie gekannt hätte, so hätte mich ihr ödes Privatleben überhaupt nicht interessiert, es war insgesamt so durchschnittlich, dös es a Sau graust, wie wir Bayern sagen. Sie verlieben sich, sie lassen sich scheiden, heiraten, trennen sich, haben Schulden oder ein Vermögen, einen Film gedreht, ein Liedchen geträllert, - wen interessiert`s? Irgend jemanden bestimmt, sonst würde man das nicht senden. Die Leute mit einem noch traurigerem Privatleben, dann die ganz jungen Mitmenschen, und die älteren Mitbürgerinnen mit ihrem Stapel Klatschmagazinen vor einem am Kiosk, wenn man selbst schnell seinen morgendlichen Flachmann kaufen will. Und die Prominenten selbst, vermute ich.

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In Anbetracht dessen…

von Wechsel-Haft

In Anbetracht dessen, dass Albernheiten meinen Blicken entfliehen und ich etwas Altbekanntes wieder fühle, was mir verschlossen blieb, mondelang.
In Anbetracht dessen, dass Vergangenheit mich fesselt und Zukunft mich drückt, wie ein massenangefertigter Schuh.
In Anbetracht dessen, dass ich mich wortlos fühle, und doch überschäumen will mit Bildern.

In Anbetracht dessen, ist es eine Ironie, dass die Hoffnung in einem Ort aufleuchtet, den ich unter Trümmern begraben zurückließ.

In Anbetracht dessen, verspüre ich, Sehnsucht. Begriffen im Fall, lass ich meine Burg los und stürze über den Rand,
wie ein rotes Seidentuch. hinab in Wortnester.hinab.

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Rumblechen in the Forum

In den nächsten Wochen wird hier eine längere Zeit über so genannte Frauenthemen koluminiert werden, angeblich soll es auch um Anderes als um Waschen, Putzen, Bügeln, Kochen, Stricken, den neuesten Klatsch, die neueste Mode gehen: seien Sie bitte darauf gespannt. Aber vorher noch kurz ein Männerthema, Boxen, und ein Frauenmännerthema: Forendiskussionen bei KV.

Am 30.10.1974 boxte also Muhammad Ali gegen George Foreman um den Weltmeistertitel im Schwergewicht, Titelverteidiger war Foreman (40 Kämpfe, alle gewonnen, 37 durch K.o.), Ali war der Titel aus politischen Gründen aberkannt worden, wegen seiner pazifistischen Haltung während des Vietnamkrieges. Der Kampf fand in Kinshasa statt, in dem heutigen Kongo, damaligen Zaire, verbunden war das Ganze mit einem Rockkonzert usw. B.B.King, falls den noch jemand kennt. Foreman posierte mit einem Deutschen Schäferhund auf Pressefotos, Ali war aber der Liebling der afrikanischen Bevölkerung („Ich lege den Niggernamen Cassius Clay ab…“), und so feuerte das Publikum den größten Boxer aller Zeiten beständig an: „Ali, töte ihn…“ (Ali, bomaye).

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das ist viel schlimmer als es aussieht

von ungesagt

du bist nichts.was von außen auf mich einwirkt.eine äußere verletzung kann man lokalisieren.sie macht sich ganz von selbst bemerkbar auf der haut.nichts,was man erst suchen müsste.du hingegen durchdringst mich von innen.wanders vom haaransatz zu den zehen.ich fühle deine hände nicht auf mir,sondern in meinen eingeweiden wühlen.das ist nicht romantisch.das ist gewalt.als würdest du einen berg erkimmen schlägst du widerhaken in meine organe.ich kann mich nicht wehren.auch ich komme nicht an mich heran von außen.bei jedem neuen einschlag kann ich fühlen wie mein herz und alles übrige immer tiefer rutscht.und ich fürchte,dass es schon ganz bald gänzlich aus mir heraus fällt.und dass du dann diese leeren stellen einnimmst.und dass ich dann nie wieder an mich heran komme.und seitdem du also verantwortlich bist für die inneren verletzungen in mir,fürchte ich mich davor mich auch von außen irgendwie zu verletzten.weil du meine blutbahn bist und weil ich um jeden verlorenen tropfen fürchte.ich fürchte mich davor,dass du ein gesicht bekommst.

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Stühle, Zeichnungen von Norbert Molitor

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Vom 13. April bis 12. Mai 2008 werden in der Vorburg Schloss Hardenberg, Velbert, 65 Zeichnungen von Norbert Molitor ausgestellt. Die Ausstellung ist montags bis freitags von 9.00 bis 16.00 Uhr und sonn- und feiertags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Veranstalter ist der Kultur- und Veranstaltungsbetrieb Velbert. Zur Vernissage am Sonntag, 13. April um 11.00 Uhr, sind interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich willkommen. Die Eröffnungsreden halten Herr Dr. Fabian Kern, Geschäftsbereichsleitung Kultur Stadt Velbert, und Herr Dr. Karl Erb, Kunstverein BrachLand.

Der Zeichner Norbert Molitor arbeitet seit Jahren an seinem Thema ‘Stühle und andere Sitzgelegenheiten‘. Einer ersten Stühle- Ausstellung in Schloss Lüntenbeck (Wuppertal) 2004 folgt nun im April eine weitere Ausstellung seiner 42 x 60 cm großen Arbeiten und seiner aktuellen ‘5-Minuten-Stühle’ in der renommierten Vorburg Schloss Hardenberg. Norbert Molitor - vermutlich der einzige Zeichner, der ausschließlich Stühle zeichnet - arbeitet mit Tusche auf A3 großen Blättern, die er rückseitig mit Tesafilm auf das einheitliche Endformat 42 x 60 cm zusammenfügt. Er ergänzt einen Teil seiner Zeichnungen mit tagebuchartigen Randbemerkungen in einer Geheimschrift, die er selbst vor Jahren erfunden hat, und gibt seinen Stühlen - oft im Zentrum kleiner, geheimnisvoller Geschichten, die zum Assoziieren und Entschlüsseln einladen - Titel wie: ’Eleganter Deckchair mit Wurstkissen’, ’Flugzeugangriff auf bequemen Sessel’
oder ’Stuhl mit Gegenwind’. An seinen Stühlen, die er nicht ohne Eleganz und Ironie aufs Papier bringt, interessieren ihn nur die Möglichkeiten, seine Haltung zu perfektionieren: Wie kann man Perspektive, wenn man sie beherrscht, einfach weglassen; wie kann ein Alltagsgegenstand als Skulptur so faszinierend sein, dass man sich beim Zeichnen nicht langweilt? Und wie einfach muss eine Zeichnung sein, um schön über den abgebildeten schönen Gegenstand hinaus zu sein? Molitor kennt keine Farben, keine Riesenformate und auch keine unterschiedlichen Formate, die seinen Ordnungssinn stören würden, und will von Malerei nichts wissen, weil er in der Zeichnung die raffiniertere Disziplin sieht. Neu und abseits von seinen seit 1999 gezeichneten 2-Blatt-Stühlen sind seine aktuellen ‘5-Minuten-Stühle’, die er in wenigen Minuten auf kleine, 12 x 12 cm große Formate zeichnet. Man kann ihm während der Ausstellung sonntags zwischen 14.00 und 17.00 Uhr dabei zusehen…

termine
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