Rumblechen in the Forum
In den nächsten Wochen wird hier eine längere Zeit über so genannte Frauenthemen koluminiert werden, angeblich soll es auch um Anderes als um Waschen, Putzen, Bügeln, Kochen, Stricken, den neuesten Klatsch, die neueste Mode gehen: seien Sie bitte darauf gespannt. Aber vorher noch kurz ein Männerthema, Boxen, und ein Frauenmännerthema: Forendiskussionen bei KV.
Am 30.10.1974 boxte also Muhammad Ali gegen George Foreman um den Weltmeistertitel im Schwergewicht, Titelverteidiger war Foreman (40 Kämpfe, alle gewonnen, 37 durch K.o.), Ali war der Titel aus politischen Gründen aberkannt worden, wegen seiner pazifistischen Haltung während des Vietnamkrieges. Der Kampf fand in Kinshasa statt, in dem heutigen Kongo, damaligen Zaire, verbunden war das Ganze mit einem Rockkonzert usw. B.B.King, falls den noch jemand kennt. Foreman posierte mit einem Deutschen Schäferhund auf Pressefotos, Ali war aber der Liebling der afrikanischen Bevölkerung („Ich lege den Niggernamen Cassius Clay ab…“), und so feuerte das Publikum den größten Boxer aller Zeiten beständig an: „Ali, töte ihn…“ (Ali, bomaye).
Ali war mit seinen 32 Jahren der Ältere, zudem Foreman körperlich unterlegen, aber er war eben intelligenter und der bessere Techniker. Zur Überraschung aller (auch zu meiner, ich durfte mir den Kampf als damals Zwölfjähriger live anschauen, um 5. 00 Uhr in der Früh) blieb Ali in den Seilen stehen, anstatt, wie gewohnt, den Schlägen Foremans durch seine berühmte Tänzelei auszuweichen, den Kopf geschützt und mit dem Oberkörper die zurückfedernden Ringseile ausnutzend. Aber gelegentlich konternd. Foreman verlor zunehmend die Nerven, baute konditionell ab, und der spektakuläre Niederschlag durch Ali in der achten Runde war nur noch eine Formsache, - eigentlich. Alis Technik ging übrigens als „rope-a-dope“ in die Boxgeschichte ein.
Nun wird ja in den KV-Foren auch eher gerauft als diskutiert, und wenn man selbst, völlig unschuldig natürlich, in eine solche Schlägerei verwickelt werden sollte, warum nicht einmal etwas von dem größten Kämpfer aller Zeiten lernen, Fragezeichen oder auch nicht. Man sieht doch vorher, bevor man direkt angepöbelt wird, mit wem man es zu tun hat, und wie er oder sie sich gemeinhin zu verhalten pflegt, die Menschen ändern sich doch nicht, bloß weil sie einen zusammenschlagen wollen, virtuell. Der Eine flippt spätestens bei seinem zweiten Beitrag aus, wird ausfallend, persönlich, der Andere beginnt herumzualbern nach einer Zeit, usw, usw. Dabei sind sie blind in ihrem Eifer, sich selbst zu profilieren, ihre Aggressionen auszutoben, ihren so genannten Humor, oder ganz furchtbar: ihre Achtelbildung zu demonstrieren, so dass sie selbst in der achten Runde noch nicht merken, dass sie gleich auf die Bretter geschickt werden. „Rope-a-dope“, und ein gelegentliches zugerauntes: „George, that`s all?“, und man kann den Kampf entspannt beenden und sich wichtigeren Dingen zuwenden als es Auseinandersetzungen mit (intellektuellen) Kneipenschlägern sind: Ali mit seinem Glauben, beispielsweise, man selbst: Was auch immer einem heilig sein mag. Nur hatte der „Rumble in the Jungle“ einen bedeutend höheren Unterhaltungswert als besagte Diskussionen, ich war hell wach um 5.00 Uhr früh, die größte Schwierigkeit bei Forenkämpfchen ist es doch: nicht einzuschlafen aus Langeweile über den immer gleichen Ablauf.
George Foreman ist übrigens heute ein mäßig erfolgreicher Geschäftsmann, der witzige Interviews gibt („Ich bin Boxer, ich werde eines Tages verrückt werden, mir nichts mehr merken können, ich habe deshalb alle meine fünf Söhne George genannt, den Namen kann ich mir vielleicht noch merken. Ich wollte auch meine Frau George nennen, sie wollte aber nicht.“), wie Frauen eben so sind: Bald wird hier mehr darüber zu lesen zu sein, so habe ich es bereits angedeutet. Ali dagegen ist schwer erkrankt, Parkinson, ein Pflegefall, auch eine Folge seines Sports. Wer also zum Schluss gewonnen hat, das entscheide jeder selbst, und ob es sich lohnt, zur Legende zu werden. Oder ob das alles nur ein großer Zufall ist, der sich Leben nennt, wie das dann ausging am Ende….
„Die Friedhöfe liegen voller Menschen,ohne die die Welt nicht leben konnte.“, so Max Frisch, - damit wünsche ich einen:
Guten Tag.
