von Micchan
Ich schreibe nicht mehr
denn was gibt es noch zu sagen
über das Blau der Himmel und Meere
das Grün der Wiesen und Wälder
die schwarze Pest
und das Gold der Felder und des süßen Honigs.
Ich weiß nicht, wer den Himmel grün und die Felder blau gemacht hat
und warum die See träge
ihre dunkelroten Wellen schlägt
Es langweilt mich, tagein auf zartblauen Wegen zu fahren.
Tagaus streben die Butterblumen am Straßenrand
wie eh und je.
Nichts verändert sich!
Worüber noch schreiben!
die grünen Wiesen scheinen so
absonderlich heute morgen.
von A.J.
Ein wilder Traum aus Blei
hat mich geweckt.
Mit dunklen Zungen leckt
er immernoch an mir
(er riecht so grau, wie hier
der Tag…)
Du kochst Kaffee,
als ob nichts sei.
Dein Blick fragt ehrlich, wie es mir heut geht.
Ich suche nach der Antwort an der Wand,
(und finde nur die Küchenuhr, die steht).
Fast schüchtern streifst du, flüchtig, meine Hand.
Mir tut der viele Regen weh:
er tropft die glatte Welt so kraus.
Die alte Lampe flackert grell
(du weinst)
und meine linke Hand hält
tapfer eine Tasse heiße Schwärze aus
von ungesagt
erschöpft bin ich.was man sich selbst einbrockt,soll man auslöffeln.vielleicht ist das,was du gelernt hast.also kannst du gar nicht anders,als die kelle zu schwingen,aus dem vollen zu schöpfen und mich leer zu fressen.
ich starre dein zerknittertes hemd an,das so achtlos über der stuhllehne hängt und denke daran wie meine mutter mir immer eine reingehauen hat,wenn ich beim bügeln eine falte übersah.knitterfrei außen,faltig innen.das ist,was ich gelernt habe.
du kriegst keinen mehr hoch,aber ich bin diejenige,die dir zu schlaff geworden ist.gar nicht mehr schlagfertig.eher so:defensiv.abwartend.
wie soll man denn ausholen,wenn die spannweite die maße der gegebene räumlichkeiten weit übertrifft?
ich kauere.ich rauche.ich trinke.du nennst mich:ruppig.ich nenn das:kleines mädchen.
früher stapelte man legosteine,aus denen irgendwann worte wurden.
ganze türme.sandburgen.luftschlösser.
ich habe mit glasscherben gespielt,statt mit puppen.blaurotgrün habe ich sie auf den straßen gesammelt und vor dem haus vergraben.erdgefärbte kinderhände,die einen stift halten.das sind meine kleinen geheimnisse.
mein schweigen ist kein schweigen.es klebt mir unter der zunge.wortgewaltig.ich schmecke die bewegungen.es ist das glitzern in meinen augen.
die ausbrüche werden immer seltener,umso öfter aber die einbrüche.
wenn man morgens das haus verlässt und nie weiss in welcher verfassung man es vorfindet,wenn man abends wieder nach hause kommt.so in etwa verhält es sich.
du musst die mir zugefügten verletzungen ertragen.das ist die antwort darauf,warum ich dich leiden lasse und ruhig dabei zusehen kann.
ich habe keine lust mehr mich zu verschanzen.
ich möchte der grund dafür sein warum du lachts.und es muss weh tun.
wir können eis essen gehen und händchen halten.im zug ficken oder einfach nur schwarz fahren.oder beides.oder ganz korrekt ein ticket lösen und einfach nur aus dem fenster gucken.du rechts,ich links.oder andersrum.und manchmal zusammen.
ich möchte nicht,dass du mir die andere wange hinhälst,sondern dass du zurück schlägst.
du kannst aus mir keinen besseren menschen machen.
aber du kannst mich mensch sein lassen.
von para.gone
“Ich hab’ letzte Woche in der Disco ‘nen Typen kennen gelernt. Lange lockige, braune Haare, braune Augen, durchtrainiert, Klamotten von Diesel. Soziologiestudent, 25, trinkt kaum, raucht nur auf Partys, wohnt gar nicht mal soweit weg. Aber ich glaub’, das wird nichts mit uns…”
“Wieso?”
“Ich hab’ seinen Namen vergessen.”
“Du fandest ihn beschissen und hast an mich gedacht, während du mit ihm geredet hast.”
“Nein, das auch nicht. Eher an meinen Ex, der allein an der Bar gegenüber stand und in Tränen aufgelöst war, als ich mit dem Typen geflirtet habe.”
“Der Typ war für dich nur Mittel zum Zweck.”
“Nein, ursprünglich war er Zweck, aber im Laufe des Abends wandelte er sich proportional zu dem Mist, den er von sich gegeben hat, zum Mittel.”