von Kindermund
Als das Balg in meinem Leib
mich nach den Schnitten fragt
verberge ich das Messer vor ihm
als hätte es die Klinge nicht längst gesehen
berge sie an meinem Nabel
wo das Balg sie spüren wird
in meinem Leib.
So lange
war es still,
dass ich dachte,
es sei tot.
Nun darf es nicht mehr leben.
Ich trat bereits darüber hinweg
in Siebenmeilenstiefeln
die zu groß waren für meine Kindsfüße.
Die meisten werden sie kennen, die berühmte Figur aus dem Kinderbuch von Carlo Collodi, in dem Buch werden die Abenteuer einer Holzfigur geschildert, unter anderem eine berühmte Geschichte, als Pinocchio eine immer längere Nase wächst, während er lügt. Man soll eben nicht lügen, oder: Etwas versprechen, wovon nicht einmal man selbst glaubt, dass man es halten kann. Ansonsten möge einem schon während des Versprechens eine Nase wachsen lang und länger, gerne aus Holz.
Hier meine ich die vorsätzlich nicht eingehaltenen Versprechungen, die man Anderen so macht, nicht die fahrlässigen, wie ein Eheversprechen, zum Beispiel, bis dass der Tod Euch scheidet, so etwas suggeriert einem ja nur der „vom Geschlechtstrieb umnebelte Intellekt“, wie Schopenhauer das genannt hat. Ich meine Versprechungen, von denen man in dem Moment, in dem man sie abgibt, schon weiß: Das kann ich nicht halten, werde ich nicht halten, am schlimmsten: Will ich gar nicht halten. Ganz zu Unrecht wird zwischen einem Versprechen und einer Lüge unterschieden, in dem Moment, in dem man ein unhaltbares Versprechen dolus direktus abgibt, lügt man.
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von ungesagt
ich habe dir
das versteck
verraten
damit du mich
findest
nicht damit du
die trümmer
beweinst
die deine
munition hinterlässt
Schon wieder ich, eigentlich wäre jemand Anderer vom Team dran mit einer Kolumne, aber sie schauen Fußball, vermutlich, gemütlich mit Freunden oder Public-Viewing, während ich seit heute früh in meiner Besenkammer hocke und darüber grübele, womit ich Sie heute unterhalten darf; - kürzlich wollte ich übrigens eine unserer legendären Teamkolumnen über Fußball schreiben, das wurde entrüstet abgelehnt, man interessiere sich nicht dafür, nun: Es gibt also bald ein wenig Diskussionsbedarf, oder wie man das nennt, im Team, demnächst…
Ja, die EM 2008, was mich irritiert: Wenn Deutschland gleich gewonnen haben wird (es steht 1:0, momentan) dann haben alle Deutschen gewonnen, also: ich auch. Obwohl ich gar nicht mitgespielt habe, und einen Sieg einer Fußballmannschaft auch nicht als persönlichen Sieg empfinde, genauso wenig wie eine Niederlage, natürlich. Es gibt auch keine Beziehung zwischen mir und den Fußballern, keine persönliche, ebenso wenig wie eine zwischen ihnen und mir. Oder glauben Sie ernsthaft, Lukas Podolski würde mir morgen während der Arbeit die Daumen drücken, - wohl kaum. Obwohl… Podolski ist ein, nun ja: merkwürdiger Mensch. Aber wie schnell manche immer bereit sind eine Gemeinschaft mit Wildfremden zu bilden… Übrigens hat Podolski gerade das 2:0 geschossen.
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von Micchan
Legendär! Und an den Moment, in dem wir schlammspritzend in kurzen Hosen der Sonne entgegenliefen, werde ich mich hoffentlich noch oft errinern.
Das hat mit Postkartenkitsch überhaupt nichts zu tun, nur leider haben viele herzförmige Bilder die echte Schönheit vergewaltigt, viele miserable Filme haben die Sonne am Abend missbraucht, um irgendeine unwichtige Liebe von hinten mit einem bisschen Gold zu beleuchten.
Aber unsere Sonne hing nicht platt und zerknittert an der Wand, sondern königlich am Himmel und verwandelte Matsch und Wasser in eine glitzernde Wüste für uns, vier Helden.
von Wechsel-Haft
Wortlos. Verlasse dein Paradies, opfere deinen Wohlstand, für die Füllung der Leere. Wortlos, verlasse deine Wüste, verlasse Dich selbst, verliere die Tassen, die aus dem Schrank.
Sprich kein Wort zu niemanden, arbeite an deiner “Flucht”. Wortlos. Bist du bereit das Spiel zu spielen? Alles zu verlieren?
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Flirten auf hohen Niveau nannten sie es lachend. Sie blickte, leicht errötet, nach unten, spielte mit ihren Händen, verborgen von zu langen Ärmeln, aus Scham man könne die Pusteln darauf erkennen. Sie brachte kein Wort mehr heraus, begann jedoch zu grinsen, da ihr Geist sich verdammt schnell zu regen begann. Sollten sie es doch nennen, wie sie es wollten.
Sie wußte nur eines: Sie war auf dem Weg absolut wahnsinnig zu sein. Ein breites Lächeln streift die Gegenwart bei dieser Erkenntnis und bei all dem Wahnsinn wurde sie ruhig, eine zarte Welle auf dem Meer, eine kleine Böe zwischen den Trabanten. Was solls.
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Wortlos. Kein Weg zurück. Eine Ahnung wird Gewissheit. Etwas vollkommen Neues, oder doch etwas Altes nur neu gesehen. Bereit alles aufzugeben. Wortlos.
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Sie blickte ihn an. Sie starrte ihn an. Vielleicht aus Angst, den Wahnsinn zu verlieren. Der Geruch von frischer Wäsche umwaberte sie. Unter der Bank, auf der sie sassen, am Kreuzberg, fand sie den Schlüssel. Ein äußerst symbolischer Zufall. Die Zeit rannte gegen sie. Die Worte ebenfalls. Sie ließ weitere Tassen auf der Bank stehen. Kurz nach Mitternacht. Sie konnten sich nicht lösen. Ein seltsames Band aus Dingen, die kein anderer verstehen könnte, hatte sich fest um sie gelegt.
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Wortlos.
Bist du bereit alles aufzugeben?
Bereit das Spiel zu verlieren?
Bereit es zu spielen?
Wortlos.
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Das große KV-Jahrestreffen rückt näher, die Klugen unter Euch werden es sich spätestens beim Lesen des Titels gedacht haben, dieses Jahr also in Minden, 26.07.2008, Näheres in der Veranstaltungschronik, - und genau wie letztes Jahr für alle, die noch nie an einem Treffen teilgenommen haben, ein paar Infos, wie läuft das ab, usw. Auch: für die Jugend, besonders für die Jugend.
Das Treffen beginnt um 13.00 Uhr, Zeit, sich ein wenig warmzuplaudern, sich zu begrüßen, wenn man Manieren hat, danach findet die Mitgliederversammlung des Vereines statt, gegen 14.00 Uhr. Daran teilnehmen darf jeder, seine Meinung sagen und vielleicht durchsetzen auch, nur mitbestimmen, das dürfen nur Vereinsmitglieder. Soweit ich die bisherige Liste der Teilnehmer verfolgt habe, nimmt auch nur ein Mitglied des Jugendbereiches, das gleichzeitig Vereinsmitglied ist, an der Sitzung teil, Ihr müsst also darauf hoffen, dass die so genannten Erwachsenen die richtigen Entscheidungen für Euch treffen, vernünftig über Euch entscheiden. Wie Eure Eltern und Lehrer. Würde mich persönlich ein wenig sehr ankotzen, dass ich nicht mitbestimmen darf, zumal die maßgeblichen Projekte von KV vom Verein organisiert werden, aber Ihr wollt es ja so. Kostenlose Mitgliedschaft für unter Achtzehnjährige, danach verbilligte (15 € pro Jahr) für Studenten oder so, Befreiung bei keinem Einkommen, oder geringfügigem. Nebeneffekt: Die Werbung verschwindet von Eurer Seite.Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten, seine Meinung durchzusetzen, außerhalb einer Vereinsmitgliedschaft, aber da seid Ihr Euch ja auch nicht einig, bzw. immer wieder einig desinteressiert. Nun, die MV wird ca. eine Stunde dauern.
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