Besetzt

blog_Organisch.JPGGestern hat mich meine Schwester angerufen, sie ist ein wenig verrückt, finde ich, trotzdem und gerade deshalb liebe ich sie sehr, verrückt also, weil: Sie telefoniert gerne, und zwar lange. Gestern ging es eigentlich um einen Geburtstagswunsch für eine Freundin, - Du bist doch so ´ne Art Dichter, mach doch mal einen, - und normalerweise antworte ich, besonders an Tagen wie gestern, als es immerhin 22.30 Uhr war: „Im Moment bin ich kein Dichter oder so etwas, sondern müde, und Geburtstagsgrüße fallen mir ohnehin niemals und nie vernünftige ein“, aber meine Schwester, - nun, etwas völlig anderes, siehe oben. Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass meine liebe Freundin Daniela gestern Geburtstag hatte: Noch einmal alles Liebe und Gute für Dich und Deine Lieben, Daniela, und eine Umarmung, bleibe, wie Du bist, bitte. – Sehen Sie, Geburtstagswünsche: nicht mein Ding.Aber, telefonieren: Natürlich lege ich Wert auf Erreichbarkeit, besitze einen Anrufbeantworter, der auch anspringt, wenn bei mir besetzt ist, ein Handy mit dem gleichen Service, zudem natürlich mehrere Mailadressen, die selbst für ganz Blöde leicht zu merken sind: Man setzt einfach ein „post“, „mail“ oder „info“ vor meinen Realnamen oder Nick, dazwischen das „@“-Zeichen nicht vergessen, und bei dem Nick braucht man sich nicht einmal zu merken, ob ich in Deutschland lebe oder irgendwo, hier kann man mich auch unter „com.“ erreichen. Sämtliche Konten werden alle drei Minuten abgefragt, sobald ich mein Mailprogramm starte. Außerdem richte ich bei Projekten eigene Adressen ein, viel mehr kann man wohl nicht machen in punkto Erreichbarkeit. Ein Benutzerkonto bei „icq“ und „skype“  ist ja heute ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Sobald ich zu Hause bin, erledige ich meine Anrufe, ich rufe also zeitgleich zurück, möglichst, ebenso handhabe ich das bei Mails, - ansonsten könnte man mir  auch Briefe schreiben, Brieftauben schicken oder Ähnliches, wenn das Beantworten der Kommunikationsversuche lange dauern soll. Höflichkeit, nicht wahr, Respekt vor dem Anderen, entschuldigen Sie bitte diese Schimpfworte der heutigen Zeit.

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Essen

Esther_1.jpgEsther_3.jpgLesung Essen_1.jpgEsther_1.jpgEsther_3.jpgEsther_1.jpg

Am 10.November fand die erste „Pott-Lesung“ in Essen-Steele statt, wie angekündigt lasen die Autoren Esther Pollok (Anifarap) und Andreas Hempler (wupperzeit).

Insgesamt eine gelungene Veranstaltungen, Publikum und Akteure waren zufrieden oder mehr, anschließend eine kleine Feier, wie üblich bei uns.

Die Resonanz hätte größer sein können, aber: Es war ein Anfang, und aller Anfang ist schwer, wie es heißt. Mal sehen, wie es bei der nächsten Lesung aussieht…

keingeistphilosofie:geschlechter

von ungesagt

manchmal,wenn du vor mir sitzt, stelle ich mir vor wie dein kopf explodiert. ich zähle von zehn bis eins. aber es passiert nichts. ich habe keine chance gegen deine geschosse. und wenn du schon hundertmal gestorben bist in meinem kopf, sitzt du immer noch munter am tisch und plauderst über dies und jenes. und ich hocke da. wie eine welke pflanze im topf.
dann wird mir manchmal  klar, warum ich mich mit männern am besten im bett verstehe: weil sie dann still sind. und warum ich mich mit frauen überhaupt nicht verstehe: weil ich nicht mit ihnen ins bett gehe.

Gelesen

Alles anders. Oder nicht?

Erste Kolumne des neuen Mittwochsteams keineKolumne.de

BrigitteG:

Herrje, ich habe meine Frauen verloren… oder sagen wir es konkreter: zwei verloren, eine gewonnen, und noch ’nen Kerl dazu – und welche Variante ist besser? Wir drei (KeinB, Wupperzeit und ich) sind also das neue feste Kolumnenteam, über variable Gastkommentatoren wollen wir noch diskutieren.

Ich freu mich auf Euch beide, und bin gespannt auf die Themen, die Ihr Euch wählt. Meine Methode wird die gleiche bleiben: bei irgendwelchen belanglosen Themen so lange herumblubbern, bis mir nichts mehr einfällt (böse Zungen behaupten, ich schriebe dann trotzdem noch weiter…).

In diesem Sinne: Glückauf!

KeinB:

Es war im wunderschönen Monat Juni, Anno 2008, als mich ganz harmlos und unverbindlich eine Mail einer gewissen Brigitte G. (Alter der Redaktion bekannt) erreichte, sie habe an mich gedacht. Also konkret. So richtig bewusst an mich. Genau da war für mich und mein Ego bereits der Punkt erreicht, an dem wir genug gehuldigt und gesalbt worden waren – ich hätte zu allem ja gesagt, ich bin in manchen Hinsichten furchtbar einfach gestrickt. Das funktioniert bei mir ähnlich wie bei Männern: Gib ihnen ein Bier und sie sind glücklich. Also: Gib KeinB ne Kolumne und sie ist glücklich. Oder besser: Gib KeinB irgendwas und sie ist glücklich. Vorausgesetzt es ist kein Spinat oder Pferd oder Fußball.

Jedenfalls, jetzt saß ich also da und hatte zugesagt, eine Kolumne zu schreiben. Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf ging, war: Geil! Ich schreibe eine Kolumne. Der zweite: Was schreibt man da? Und dann irgendwann fiel mir ein, dass ich überhaupt gar nicht wusste, WIE man eine Kolumne schreibt. Ich weiß es auch jetzt noch nicht so richtig. Ich werde mich überraschen lassen oder – wie es auf neudeutsch so schön heißt: Learning by doing. Und weil auch so eine
Eindrittelkolumne irgendein Schlusswort braucht:

Irgendein Schlusswort.

wupperzeit:

Gerade aus dem Team der Jugendkolumne herausgeflogen, - zu alt, zu doof, zu hässlich, zu überhaupt, - und gleich befördert in ein Erwachsenenteam: Wenn das kein Glück oder keine Karriere ist, dann weiß ich das auch nicht. Und dann noch das legendäre Mittwochsteam…

Außerdem, Erwachsenenkolumne: Ich freue mich auch auf die erwachsenen Themen, endlich muss ich nicht mehr überlegen, was könnte die lieben Kleinen interessieren (unter uns: Ich habe das nie so recht herausgefunden oder verstanden), jetzt kann ich über die Themen schreiben, die mich interessieren, vielleicht auch Sie interessieren werden, - wir werden sehen.

Eventuell gelingt es mir sogar im Laufe der Zeit herauszufinden, worin der Unterschied zwischen jungen und erwachsenen Themen liegen könnte, ich hoffe das eigentlich überhaupt nicht, und damit:

Einen schönen Tag.

Kolumne

auszug:schwarz

von ungesagt

unsere körper haben wir zerteilt.horizontal.vertikale.unterteilt in kleine flächen.ich erinnere mich.wir spielten immer schiffe versenken.auf unserer haut.ich habe immer verloren.und du immer alle meine schiffe auf anhieb getroffen.du wußtest wie und wohin zu zielen war.so hast du mein meer erobert.ich liege bei dir.wie strandgut.ein schiffswrack.ich ging völlig unter.in dir.und jetzt?
wie soll mich denn je jemand finden.die koordinaten kennst doch nur du.aber du kannst mich nicht bergen.du bleibst an der oberfläche und versuchst an der färbung die tiefe zu schätzen.aus sicherer entfernung.warm und trocken.

Gelesen

Bahnfahrt, nachts

Bahnfahrt, nachts:

Dann, endlich, die Rheinbrücken, Köln, der Dom, „und so erbauten sie Dome…“, tatsächlich, das große Wort von Benn, und natürlich haben sie das geahnt: im Zeitenstrome bröckelt der Fels zurück, aber nicht geglaubt, das ist eben der Unterschied, Glaube, Wissen und Ahnung, und am Ende siegt immer der Glaube knapp vor der Ahnung. Der Glaube an Rituale und Symbole, Kölner Dom, Rheinbrücken, und man glaubt: an ein zu Hause und Heimat und an ein großes Wort.

Während Andere an Anderes glauben, so wie der Schaffner, an seine Aufgabe,an sein Ritual, und jetzt den farbigen Mitreisenden kontrolliert zum dritten Mal auf der kurzen Strecke zwischen Frankfurt und Köln, und man selbst reicht sein Ticket herüber, auch zum dritten Mal, weil man nicht diskriminiert werden möchte als Deutscher und als Weißer, man will auch als gefährlich gelten oder als kriminell, wenigstens in den Augen des Schaffners, oder der Deutschen Bahn, die er zu vertreten glaubt, ein Glaube wie an die Kraft eines Domes, dreihundert Jahre ein Stück, wissend im Zeitenstrome, oder bei der nächsten Rationalisierung, und dann können wir uns zu dritt kein Ticket mehr leisten, oder werden dessen verdächtigt und bilden eine Gemeinschaft, so schnell kann das gehen, in den Zeitenströmen, und für einen Zeitenstrom,und die anderen Mitreisenden schlafen weiter, während der Schaffner kontrolliert, oder ist es der dritte Schaffner, der immer den selben weckt, und:

Andere schlafen lässt:sie schlafen weiter, erschöpft von Gesprächen, zwischen Nürnberg und Frankfurt, und man selbst ist noch wach, in einem Gedanken, der noch ungelöst ist und erlöst: Was ist schlimmer, Liebeskummer oder Zahnweh, und ob sie schon schläft, und wen sie alles angelächelt hat und bezaubert, heute, und so: ein unerlöster Blick auf die Rheinbrücken, auf den Dom. Auch nur Rituale, Liebeskummer und Zahnschmerzen, das geht ja vorbei, und ihr Lächeln: auch nur ein Symbol, Hoffnung und Ahnung und dann: Ritual. Im Zeitenstrome, aber: man soll mich nicht so oft wiederholen, das langweilt und ermüdet nur: ein Publikum, Andere, dann: einen selbst.

Und man war selbst ein Publikum von Nürnberg bis Frankfurt, rauchend im Gang zumeist, und den Blick in die Nacht, auf der Flucht, ein wenig, vor dem Geschwätz im Abteil, und auf der Suche, nach der Antwort auf die Frage: Liebeskummer oder Zahnweh, und es stimmt ja, wenn man aus dem Fenster blickt während einer Bahnfahrt, nachts, so sieht man sich selbst in den Scheiben gespiegelt, vor allem, und dieses Mal: einige Regentropfen und Lichter auf dem Glas, jedenfalls so lange, wie man durch Landschaften fährt, in Städten ist es: ein wenig anders. Und dass man darum lieber durch Städte fährt, mehr Anregungen hat für die Fantasie, oder für Erinnerungen und Visionen: wie mag es sein hier zu leben, war man hier schon einmal, will man hier bleiben. Und manchmal stehen noch Menschen auf den Bahnhöfen, auch Anregungen für Fantasie, oder für Erinnerungen und Visionen, wie mögen die leben, möchte man die kennen lernen, bei denen bleiben. Und wie beruhigend das ist, dieses Gedanken- und Fantasiespiel, man muss keine Entscheidungen treffen, ohnehin hat man ein Ziel, Wuppertal HBF, und seine Entscheidung getroffen: schon längst. Es ist ein wenig: wie einen Dom zu bauen, man kann an etwas glauben für kurze Zeit, etwas ignorieren für eine Zeit, die Zeitenströme und die Ziele. Und hinter einem bleibt: ein Abteil.

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Texte

mitspielen

von tausendschön

schneeglöckchen umsäumen die letzten schneeflecken des frühlings. ich stehe am zaun des spielplatzes: mein linker handschuh baumelt, gekettet an die dünne frühlingsjacke, in die graue masse am boden. der rechte hat sich längst aus seiner fessel gelöst. vielleicht finden ihn meine eltern zuhause wieder.

seit der schnee nicht mehr weiß ist, stehe ich tag für tag an diesem zaun und beobachte dein spiel. eigentlich soll ich mich beeilen, um zum mittagessen zuhause zu sein. aber ich habe eine abmachung mit mir getroffen: schauen – ja. mitspielen – nein.
aller vernunft zum trotz hoffe ich, dass meine eltern diese abmachung zu schätzen wissen. natürlich ist es unmöglich, ihnen davon zu erzählen.

und trotzdem stehe ich hier und sehe dir zu. du lächelst wie einer, der ein geheimnis hat, ignorierst mich schon längst. anfangs hast du mich angelächelt und für einen guten mitspieler gehalten. wie gerne hätte ich mit dir sandburgen und luftschlösser gebaut! vielleicht, nein, bestimmt hätte ich mich getraut, mitzuspielen. dein vergnügtes lachen hätte mich verführt.
dein lachen, ja, das ist geblieben, doch mir ist es verwährt. hätte es doch nur noch ein wenig länger eine einladung bedeutet…

ein kurzer blick huscht über mich hinweg, dein lächeln verschwindet. wut ballt sich in meinem bauch. ich hasse es, absichtlich ignoriert zu werden. ich bin kein spielverderber. ich kann nichts dafür!
ich öffne eine tüte bonbons und fange an zu essen. unerhörte süße breitet sich in meinem mund aus.
du bist gut im ignorieren. ohne dass ich es merke, hast du die tüte bonbons schon erfasst und kommst auf mich zu gehüpft. lächelst keck. ich mache keine anstalten, dir etwas abzugeben. die bonbons gehören mir ganz allein.
ich beiße auf das bonbon und die süße wird abgelöst durch bitzelnde brause. du siehst mir zu, ein bisschen neidisch. willst mich wohl zum fangenspiel auffordern.
es nieselt unangenehm. ich will nach hause. ich werde dich jetzt nicht fangen können, nicht im frühling. und schon gar nicht im sommer. im herbst vielleicht, wenn ein paar glitschige blätter auf dem boden liegen. meine eltern achten darauf, dass ich nicht ausrutsche mit meinen schuhen.
der herbst wird meine zeit.

ich stecke die bonbons ein, drehe mich um und gehe. das mittagessen wartet.

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