mitspielen

von tausendschön

schneeglöckchen umsäumen die letzten schneeflecken des frühlings. ich stehe am zaun des spielplatzes: mein linker handschuh baumelt, gekettet an die dünne frühlingsjacke, in die graue masse am boden. der rechte hat sich längst aus seiner fessel gelöst. vielleicht finden ihn meine eltern zuhause wieder.

seit der schnee nicht mehr weiß ist, stehe ich tag für tag an diesem zaun und beobachte dein spiel. eigentlich soll ich mich beeilen, um zum mittagessen zuhause zu sein. aber ich habe eine abmachung mit mir getroffen: schauen – ja. mitspielen – nein.
aller vernunft zum trotz hoffe ich, dass meine eltern diese abmachung zu schätzen wissen. natürlich ist es unmöglich, ihnen davon zu erzählen.

und trotzdem stehe ich hier und sehe dir zu. du lächelst wie einer, der ein geheimnis hat, ignorierst mich schon längst. anfangs hast du mich angelächelt und für einen guten mitspieler gehalten. wie gerne hätte ich mit dir sandburgen und luftschlösser gebaut! vielleicht, nein, bestimmt hätte ich mich getraut, mitzuspielen. dein vergnügtes lachen hätte mich verführt.
dein lachen, ja, das ist geblieben, doch mir ist es verwährt. hätte es doch nur noch ein wenig länger eine einladung bedeutet…

ein kurzer blick huscht über mich hinweg, dein lächeln verschwindet. wut ballt sich in meinem bauch. ich hasse es, absichtlich ignoriert zu werden. ich bin kein spielverderber. ich kann nichts dafür!
ich öffne eine tüte bonbons und fange an zu essen. unerhörte süße breitet sich in meinem mund aus.
du bist gut im ignorieren. ohne dass ich es merke, hast du die tüte bonbons schon erfasst und kommst auf mich zu gehüpft. lächelst keck. ich mache keine anstalten, dir etwas abzugeben. die bonbons gehören mir ganz allein.
ich beiße auf das bonbon und die süße wird abgelöst durch bitzelnde brause. du siehst mir zu, ein bisschen neidisch. willst mich wohl zum fangenspiel auffordern.
es nieselt unangenehm. ich will nach hause. ich werde dich jetzt nicht fangen können, nicht im frühling. und schon gar nicht im sommer. im herbst vielleicht, wenn ein paar glitschige blätter auf dem boden liegen. meine eltern achten darauf, dass ich nicht ausrutsche mit meinen schuhen.
der herbst wird meine zeit.

ich stecke die bonbons ein, drehe mich um und gehe. das mittagessen wartet.

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