Russisches Roulette
Kürzlich war ich mit meinem kleinen Liebling auf dem Weg zum KV – Treffen in Minden, kurz vor Dortmund klingelte das Handy, nein, Andreas kann jetzt nicht telefonieren, er fährt Auto, soll ich ihm etwas ausrichten… Was sie mir ausrichten sollte: Sage Andreas bitte, dass er heute wieder ganz ausgezeichnet fährt, -so ein Freund am Telefon, wir waren schon kilometerlang beobachtet worden, und die Kritik bezog sich darauf, dass ich anscheinend die Mittelspur nicht gewechselt hatte nach Überholvorgängen, soll angeblich verboten sein. Wie auch immer.
In seiner Jugend fährt jeder gerne schnell, der ein wenig Temperament besitzt, allerdings leider auch oft in Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, - nun ja: Der Adrenalinrausch der Gefahr ist größer, der Rausch der Geschwindigkeit, wenn man gegen Gefühle für Gefahren unempfindlich ist, beides mit den leider bekannten, oft fatalen Folgen. Die richtige Spur für ein solches Fahrverhalten ist die linke, oder irre ich auch da? Diese Spur muss man aber verlassen nach einem Überholvorgang, da bin ich mir ziemlich sicher.
Die ältere Generation bevorzugt das eher langsame, vorsichtige Fahren, zumeist aus Unsicherheit, oder auch aus schlechter Erfahrung: Man hat halt einige Unfälle gesehen oder selbst erlebt. Meine Mutter, beispielsweise, fährt gar nicht mehr selbst auf der Autobahn, sie fühlt sich den Geschwindigkeiten dort nicht mehr gewachsen mit ihren 72 Jahren. Führe sie aber noch, so würde sie sich auf der rechten Spur halten, mit Richtgeschwindigkeit und als eine relative Gefahr. Angst ist genauso gefährlich wie Selbstüberschätzung beim Autofahren, das macht auch oft die große Erfahrung nicht wett.
Menschen mittleren Alters, so wie ich, beispielsweise, fahren am liebsten komfortabel, wenn sie einigermaßen bei Verstand sind. Man fährt rechtzeitig los, am liebsten ein wenig zu früh, damit man mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 140 km/h ohne Nervenanspannung, ohne sich groß in Gefahr zu begeben, ohne Angst vor dem eigenen Wagemut und ohne Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten am Steuer nicht auf der Autobahn herumzugeistern muss. Schön ist es, wenn man während der Fahrt angenehme Gesellschaft hat und ein wenig plaudern kann, man kann sich nicht auf ein Gespräch konzentrieren, wenn man ständig darauf konzentriert ist, jede Millisekunde und jeden Millimeter auf der Autobahn auszunutzen. Man kann etwas essen oder trinken während der Fahrt, und wenn man alleine ist Radio hören, sogar einen Kulturkanal.Man rast nur, wenn man muss, und dann auch nur moderat. Das Autofahren ist ohnehin dermaßen zur Routine geworden, dass es leicht langweilt, nur eher schlichte Gemüter fahren in meinem Alter noch gerne selbst Auto, da gibt es Interessanteres im Leben als ein Maschine zu bedienen. Wir Mittelalten wählen so die mittlere Spur, bis wir erfahren, dass das verboten ist. Angeblich.