Am Rande der Fahnenflucht

von tausendschön

Auf der Brücke fange ich an zu schwanken. Sonst tobt hier Wind, daß ich einen Grund habe, mich mit meinem großen Zeh am Bordstein festzuklammern und mit dem Haar im Zopf. Nicht heute. Die letzten Meter rutsche ich hinab. Auf der anderen Seite sind die Straßen weit. Altstadt (in der aus kleinen Räumen nackte Stimmen auf die Straße sich verflüchtigen, um dort auf das staubige Pflaster der engen Gassen zu sinken), warum starrst Du so auf meinen Hinterkopf, er ist verwechselbar und hat Dich bald vergessen. Ich lache aus: Eine Ratte verläßt das sinkende Schiff, das sie selbst ins Windloch gesteuert hat. Und hinter mir bekämpft die Stadt mit unzähligen Laternen die Nacht. Später liegt an ihrer statt ein fliegender Teppich aus Licht: Fiele ich rückwärts, finge er mich auf. Dennoch riskiere ich nichts.
Als es schließlich tagt, sind die Lichter abhanden gekommen, und vor mir steht die Öde. Der Hunger nagt schon wieder Löcher in die Erinnerung, und ich habe doch keinen Samen zu säen.

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