Auszeiten

blog_Organisch.JPGKeine Angst, ich schreibe jetzt nicht jede zweite Woche, Frau KeinB ist krank, und wir verstehen uns im Team so gut, dass sich unsere Anwälte schon nach drei Tagen über die Modalitäten einer Vertretung geeinigt hatten. KeinB schreibt also nächste Woche für mich, verzichtet dafür zu meinen Gunsten auf ihr Honorar, übrigens: Für das, was ich hier von der Chefin als Honorar für diese Vertretung überwiesen bekomme, würde ich normalerweise keinen Zweizeiler schreiben, ich mache das als Idealist aus reiner Sympathie für unsere junge Kollegin, aber das nur nebenbei. Gute Besserung also, liebe Kollegin, Gott sei Dank gibt es keinen Grund bereits über Nachrufe nachzudenken oder Kerzen in kalten Kirchen anzuzünden, die Röntgenaufnahmen und das CT, die mir ihr Anwalt geschickt haben, zeigen eindeutig: Nur eine Influenza. Was heißt „nur“…

Andere, die weniger hart im Nehmen (und auch weniger intelligent) sind als unsere liebe Kollegin, würden jetzt eine Auszeit nehmen, mit der Begründung, also ungefähren Begründung: In meinen letzten Stunden denke ich an Wichtigeres als an KV… Tatsächlich denken sie an Wichtigeres, nämlich an die Beileidsbekundungen der Kollegen, an die vielen Nachfragen, kurz: Aufmerksamkeit zu erlangen auf womöglich zweifelhafte Weise. Und ebenso wieder bei ihrer Rückkehr. Mir wurde der Fall eines Kollegen berichtet, der mittlerweile fast alle Krankheiten der Welt überlebt hat, vom Fußpilz bis zum Gehirntumor, und der immer dann erkrankt, wenn die Veröffentlichung seines neuen Textes kurz bevor steht. Alle Krankheiten scheinen dabei erfunden zu sein, und die einzige Krankheit, unter der er tatsächlich leidet (nicht ganz dicht in der Birne) gibt er als Grund nicht an. Bisher nicht.

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Frauen

Meistens muss man erraten, was sie eigentlich wollen, zumindest am Anfang, und meistens rät man falsch, das erfährt man dann am Schluss.

Texte

Wie klingt das letzte Hagelkorn

von tausendschön

Wie klingt der Aufprall des letzten Hagelkorns?
Ich stelle ihn mir vor wie das letzte ploppende Popcorn in der Mikrowelle: Nach dem polternden Sturm, der langsam abebbt, zuerst erwartungsvolle Stille, ein leiser Knall, noch einer, und schließlich nur noch Stille. Aber der Hagel hört einfach nur auf, und dann ist es still. Nach einer Weile kehrt Dein Blick ins Zimmer zurück, auf das blaue Sofa, den kleinen Bücherstapel, den vergessenen Salzstreuer auf dem Eßtisch. Du bewegst Dich langsam zum Kühlschrank und ich weiß nichts zu sagen, darum gehe ich zur Tür hinaus.

Was liegt ferner als der letzte Winter?
Ich denke an meinen Vater und daß er immer sagte, nichts sei älter als die Zeitung von gestern. Hagel schmilzt schnell im Frühjahr. Und man kann gefahrlos auf Scherben laufen, wenn nur recht viele auf dem Boden liegen. Vielleicht nützt mir eines Tages mal sein Rat. Vielleicht werden meine Füße nicht kalt, wenn es vorher genug gehagelt hat. Ich weiß es nicht, ich kann nur schneller laufen. Es hagelt.

Gelesen

Wucherer

blog_Organisch.JPGStellen Sie sich bitte einmal vor: Sie gehen zu einer Bank und bitten um einen Kredit. Sie werden also nach Ihrem monatlichen Einkommen gefragt werden, woher das stammt und wie hoch es sei, und stellen Sie sich vor Sie würden dann antworten: Ich verdiene mein Geld als Spieler in diversen Kasinos, mein Einkommen ist hoch. Also, es wird vielleicht einmal hoch sein, bisher lebe ich noch von dem Geld, dass ich mir von anderen Banken geliehen habe, es ist verbraucht (sagen Sie lieber: investiert), und nun brauche ich von Ihnen frisches Kapital. Nun, man wird Sie an die Bundesregierung verweisen, die möge für Sie bürgen, eine Antwort, die nur vorstellbar ist, sollte ihr Sachbearbeiter Humor haben, wahrscheinlicher ist, dass man Sie einfach rausschmeißt, einen Arzt oder die Polizei holt, Alternativen, die für mich nicht ohne Humor sind. Ein Witz, verstehen Sie: Ein Banker ruft die Polizei oder einen Arzt…

Eine ein wenig schlichte Analyse der derzeitigen Finanzkrise, aber wie Tucholsky schon anmerkte: So, wie sich Klein Fritzchen die Weltgeschichte vorstellt, so ist sie auch. Die Banken haben sich gegenseitig Geld geliehen, um es an der Börse auf Schwarz zu setzen, und als sie gemerkt haben, dass alle Banken so arbeiten, ist das System zusammen gebrochen, man spricht von einer Vertrauenskrise, natürlich trauen sich Zocker am allerwenigsten untereinander, nur selbst Betroffene wissen doch, wie unwahrscheinlich es ist, auf Dauer zu gewinnen in diesem System der Spekulation auf sein eigenes Glück. Auch das entbehrt aber für mich nicht einer gewissen Komik: Wie Narren haben sie sich gegenseitig belogen und betrogen. Ich glaube nicht, dass sie von dem gegenseitigen Spiel gewusst haben, dazu scheinen mir die Damen und Herren Banker nicht intelligent genug zu sein, und sollten sie es sein, so wird diese Klugheit anscheinend geblendet von einer ekligen Gier nach eigenem Profit.

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titel?es gibt nichtmal den inhalt

von ungesagt

mein alphabet ist durcheinandergeraten.das stochern in leeren worthülsen.ich vergesse meine muttersprache,während ich eine fremde nahezu perfekt beherrsche.zumindest theoretisch.praktisch nehme ich sie wahr als gurrende laute.medizingeschmack legt sich mir auf die zunge.nur dass es sich hierbei um eine entgegengesetzte bewegung handelt.richtungsverkehrt.ausnahmsweise ist es kein schlucken,sondern ein spucken,das nicht gelingt.
wenn ich mich hinsetze,um zu schreiben,fühle ich eine starre.dann drücke ich den stift so fest auf,dass.
doch statt der minen brechen mir die finger.
meine worte packen ihre taschen und verreisen.ohne mich.
vielleicht haben sie es auch satt,dass ich sie ständig an dich richte.
dorthin.wo es dich nicht gibt.
satt ist überhaupt das wort.
während ich hungrig vor deinen füßen krieche.oder sollte ich sagen:lippen?
vielleicht habe ich mit der kleidung auch den stolz abgelegt.
weil ich das mit dem höchsten maß an vertrauen verwechselt habe.
jeder gedanke an dich ist wie eine geburt.ein kaiserschnitt.
ich fasse meinen bauch an.male mir narben auf.und werde wetterfühlig.
vorhersage:dürre.

Gelesen

wupperschwester

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