Über Pornographie
werde ich hier garantiert nichts schreiben, sie langweilt mich, unter uns gesagt, und ich langweile mich nicht gerne. Ich brauche aber einen Eyecatcher für meine heutige Kolumne, da Frau KeinB in unserer teaminternen Leseaufrufstatistik ganz bedenklich droht mich zu überholen, ich liege nur noch 0, 2531 Prozentpunkte vor ihr, und in der Liebe und bei dem Manipulieren von Leseaufrufstatistiken sind doch alle Mittel erlaubt. Den Kampf um die Kommentarhäufigkeit führen wir dann in drei Wochen weiter. Sie wird sich wundern, so viel schon jetzt einmal angedeutet.
Aber wo wir schon einmal bei dem Thema sind, also bei den heiligen KV – Kriterien zur Bewertung der Qualität eines Textes oder Autoren: wie kommt man da noch zu einem beeindruckenden Ranking außer durch einen reißerischen Titel und also Bildzeitung spielen für einen Moment? Und ohne ständig den Cache seines Browsers zu leeren und so zumindest die Leseaufrufe, nun, sagen wir: zu bearbeiten?
Es gibt da einige, zugegeben, ein wenig arbeitsintensive Wege, und sie erfordern auch eine gewisse psychische Stabilität und Disposition, besonders auch die erste von mir vorgestellte Methode. Man muss sich da ein wenig demütigen und auch nicht zu ungeduldig veranlagt sein, so einmal eine kleine Warnung vorab. Hochkommentieren, so könnte man es nennen, abgeleitet vom „Hochschlafen“, man schreibt also vor der Veröffentlichung eines eigenen Textes möglichst viele Kuschelkommentare bei anderen Kollegen, wobei die erfahrenen KV – User schon Bescheid wissen, wenn sie derartige Post erhalten: Rekommentar schreiben, bitte. Praktisch ist es zudem, wenn man ein Kommentarkaffekränzchen etabliert, dieses möglichst ausbaut, aber das ist dann womöglich erst der zweite Schritt nach dem kommentierenden Anbaggern. Nun schreiben nicht alle Kollegen Rekommentare, manche einfach deshalb nicht, weil sie so eitel sind, diese Ansaugerei für eine ehrliche Meinung zu halten, und damit in ihrem Glauben bestärkt werden, als KV – Gott nicht antworten zu müssen, so wie es der richtige Gott auch zumeist handhabt. Oder sie antworten nicht jedem, oder: was weiß ich. Größte Katastrophe: Sie antworten mit einem Verriss… Manche Kollegen sind so eitel, der Ausweg: Man sucht sich andere. Um eine Zahl zu nennen zur Orientierung: Je nach schon erreichtem Status genügen da zwischen zwei und leider bis zu zehn Kuschelkommentaren. Ein Ausdruck meiner lieben Exkollegin Cora_Sonn, übrigens, er ist wohl selbsterläuternd, nicht wahr.
Natürlich gibt es auch die umgekehrte Methode, man spuckt also möglichst viele Kollegen an. Mit einigem Glück gilt man dann als kritischer Geist mit zudem großer Fachkenntnis, wenn man hin und wieder ein paar Fremdwörter einstreut in seine Kommentare, möglichst unverständliche oder selbst erfundene, die Chance, dass jemand das nachschlägt ist gleich Null und so die Gefahr der Enttarnung gering. Hat man da keine Fantasie, so kann man auch irgendeinen amerikanischen oder koreanischen Undergroundschriftsteller zitieren, auch gerne selbst kreiert den Autoren, man gilt als belesen und so kompetent, und nachprüfen, wessen bedeutende Meinung da zitiert wird: macht ebenfalls kein Schwein nicht. Um da aber nicht in eine ungewollte Isolation getrieben zu werden, empfiehlt es sich, auch gelegentlich, aber sehr rationiert, zu schmusen, so baut man sich mit ein wenig Glück ebenfalls ein Netzwerk auf mit der Zeit. Und hier muss man alle KV – Kollegen verdammen, ihre Texte also, so nach dem Motto: Zwischen dem ganzen Dreck, den ich heute lesen musste, endlich ein Text, der sich so nennen darf… Fehlt natürlich nur noch der Fachausdruck und der malayische Kollege. Auch hier bestehen die im vorigen Kapitel genannten Gefahren, der Autor antwortet nicht oder völlig falsch, beide Methoden führen aber bei einigem Fleiß zum Erfolg, wie mir ein Blick in die aktuellen Top Ten bei KV wieder gezeigt hat, und zwar heute.
Eine dritte Methode bieten die Foren, auch hier gibt es die Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu erregen, entweder positiv oder negativ, und es gelten die gleichen Regeln wie bei den Kommentarmethoden. Man schließe sich also einem Thread der Marke: „… so sinnlich wie eine Wollsocke…“ an, oder einem, in dem meinetwegen KV allgemein verdammt wird oder die Qualität der Texte hier. Keine Angst, man muss dazu weder KV noch die Texte kennen, im Grunde genommen genügt es, wenn man sich selbst ein wenig kennt und auch den einen oder anderen eigenen Text. Es werden ja selten Namen genannt in Diskussionen, und ganz KV oder alle Texte kennt hier ohnehin kein Mensch. So wird das schon sehr schön allgemein bleiben. Nicht die Fachausdrücke vergessen und nicht den Oberbarmer Großdichter Hans „Hänschen“ Homag.
Aus dem Ganzen werden dann auch persönliche Kontakte entstehen, PNs, Mails, gemeinsame Kegelabende, usw., und die ganze Kommentiererei wird auch zur Routine mit der Zeit, es übt sich, sozusagen. Es dauert gelegentlich seine Zeit, aber zumeist ist eine der Methoden erfolgreich nach einer Weile. Hat man den gewünschten Erfolg erlangt, so braucht es weniger Mühen, den zu halten, als ihn zu erreichen, allerdings ist wieder eine gewisse psychische Disposition vonnöten: Man muss sich den Erfolg auch dauerhaft glauben, und so lange schönreden, bis man glaubt, man hätte damit gleichzeitig wie zwangsläufig auch Qualität produziert. Übrigens habe ich gehört, dass die Kommentarskatrunden mittlerweile intern auch einen wie subtilen Druck aufeinander ausüben, wenn da jemand nicht wie gewollt funktioniert, es soll da schon Fälle von Psychoterror gegeben haben…
Aber ich wollte mich doch gar nicht langweilen, und über Pornografie schreiben schon gar nicht. Sie werden in drei Wochen erfahren, worüber ich schreiben wollte, ab nächster Woche informiere ich über das Thema in meinem Kolumnennewsletter vorab, mit der Bitte, sich mit dem Thema schon einmal zu befassen um einen Kommentar schreiben zu können zur rechten Zeit. Und Vorsicht, bitte: Die wupperseeligen Kommentare oder wupperwichtigen Verrisse haben immer noch einen gewissen Stellenwert hier bei KV, Sie müssen selbst wissen, ob Sie mich da verärgern wollen. Bis in drei Wochen also, und für heute:
Einen schönen Tag.
