Fotos: tausendschön
Digital Author
Sind Sie auch so froh, dass die Feiertage vorbei sind? Normalerweise bin ich ein Weihnachts- und Sylvesterfan, aus verschiedenen Gründen, um die es hier und heute einmal nicht gehen soll, aber nachdem ich die Heiligabendkolumne der Chefin und die Sylvesterkolumne der, nun, sagen wir: Zynikerin KeinB gelesen hatte, war es bei mir vorbei mit der gemütvollen Stimmung. Unter uns: Eine der Kolleginnen hat mich sogar in einer Mail gefragt, was denn „gemütvoll“ eigentlich sei, ich habe mit verachtendem Schweigen geantwortet. Demnächst verlässt eine junge Autorin die Jugendkolumne aus Altersgründen, vermute ich, dann bin ich hier weg und mache mit der Dame meinen eigenen Laden auf, ich zähle da jeden und jeden Tag. Bis es soweit ist.
Aber: Ich verschenke seit einigen Jahren Bücher zu Weihnachten, und man kann an dem gewählten Buch ungefähr ablesen, wie ich den intellektuellen und kulturellen Zustand des Beschenkten beurteile, es gibt da eine Skala von Ratgeberbüchlein bis zu Gedichten von Dylan Thomas. Es gibt eben, Gott sei Dank, gute und schlechte Freunde, und ebenso, Gott sei Dank, gute und schlechte Bücher.
Selbst publiziere ich ja nur im Internet, ein Internetautor, oder: ein digital author, wie mich eine Freundin (Geschenk dieses Jahr: Mankell, Skalawert: oberes Mittelfeld) ein wenig spöttisch und abwertend zu nennen pflegt. In der internen Hierarchie der Autoren stehe ich damit ganz unten, noch unter den Verfassern von Ratgeberbüchlein, denn die wurden ja gedruckt von irgendjemandem, und dieses „gedruckt worden (zu) sein“ ist das Maß aller Dinge im so genannten Kulturbetrieb, wie ein Stern auf der Motorhaube. Ob die Motorhaube verrostet, zerbeult oder einfach nur hässlich, weil, zum Beispiel: protzig ist, ist unerheblich, es kommt auf den Stern darauf an.
