Nunja

Nunja,…wie die Dinge ihren Reiz verlieren, wenn man sie trennt, und wenn man sie auch nur trennt, um eine Ordnung herzustellen, wieder herzustellen, nach Regeln, an die man sich gewöhnt hat oder gewöhnen musste, aber die Dinge verlieren ihren Charme, ihren Sinn, ihren Wert, meinetwegen, und am Ende ist alles Inordnung und es Istnichts und es ist ein Nun und ein Ja.

Und ich verstehe nichts von Autos, und interessiere mich nicht für sie, selbst für die nicht, die ich selbst fahre, und oft weiß ich weniger über sie als über mich selbst. So hatte ich mir einmal einen Wagen geborgt, das ist eine längere Geschichte, eine andere Anekdote. An dem Abend, ich hatte ihn etwa zwei Wochen gefahren, da musste ich abends noch tanken, und an der Tankstelle war ich der einzige Gast. Müde war ich damals, ständig todmüde, und vieles musste ich erledigen wie ein Automat, auch das Bezahlen an der Tankstelle, und weil ich immer vergesse, mir die Nummer der Zapfsäule zu merken, sagte ich eben:

„Der rote Peugeot, was macht das, bitte“, zählte dabei mein Geld, - oder: was man so macht.

Aber dieser Blick der Kassiererin, so seltsam sah sie mich an, so misstrauisch, und ich fragte:

„Stimmt etwas nicht“, denn es stimmt ja ständig irgendetwas nicht, vor allem, vor allem nicht, wenn es um Geld geht, am Schluss.

„Das ist kein Peugeot, das ist ein Renault“, und ich weiß nicht mehr, was ich dachte bei dieser Antwort, meistens denke ich: Albernedetails, wie schön wäre das Leben ohne diese albernen Details.

„Wie auch immer: wenn es dadurch billiger wird“, ganz bezaubernd: mein Lächeln dazu, und dieser Charme, und die Dame überlegte kurz, ob sie das Angebot annehmen sollte, Lächeln und Charme, aber billiger wurde es dadurch natürlich nicht, und als ich wieder in dem Rotenauto nach Hause fuhr, dachte ich darüber nach, dass es noch Ärger geben könnte, heute. Spektakulären Ärger, eben.

weiterlesen…

Texte

Unterwegs

Fotos: 42553 Neviges

DSC00288.JPGR0016289.jpgR0016290.jpgDSC00288.JPG

Work in Progress

von Anifarap

-Anti anti. Das ist chic, das ist in. Herbert würde das stören, aber Herbert ist auch nur eine Amsel.
Doch Herbert braucht keine Worte und das ist beneidenswert.-

“Ay, Doctor.” Sagte er, als er so in seinem Bettchen lag, in dem blassgelben Zimmer mit den Bildern vom Klatschmohn und Gräsern. Als er das Grün erblickte, musste er niesen, instinktiv, und er fand, dass er allergisch genug sei, um den Doktor anzusprechen.

“AY, DOCTOR! Per favor…”

Doch dann verstummte er. Denn er erkannte, dass er zu Hause lag, zu Hause, auf einer einfachen Pritsche, gepolstert mit Stroh, überdacht von einer Plane,  in einem Hinterhof aus Beton, irgendwo in der Großstadt, in der nicht Autofahrer das gefährlichste Objekt auf der Strasse darstellten, sondern Fahrradfahrer, die Passanten auf dem Bürgersteig umfuhren und noch anschrien, als wären sie eigens vom Rad gestossen worden. Selbst die Polente beschäftigte sich mehr mit den brutalen, rücksichtslosen Fahrradfahrern, seit die Invasion von den neureichen Töchtern und Söhnen des Westens, ohne Grips und Verstand, begonnen hatte. Alles Idioten und Ignoranten. Feinde der großstädtischen Kultur: Feinde des Verstandes.

Bisher hatten sie nur eines bewiesen: Dass Arrrrrrogaaaaaanz und Geld stinken. Vor allem im Sommer. Vor allem in dieser Stadt.

-Anti anti.-

Herbert zwitscherte nur, wenn es ruhig war, und der gewöhnliche Großstädter tief und fest nach seiner vierten durchzechten Nacht schlief, um nach vier Stunden aufzuwachen und festzustellen, dass der Sekt alle war.

Uh- da war noch der kleine Schreiberling im ersten Stock. Der auf Bestellung stimulierte, weil die Leute nicht mehr selbst träumen konnten.
Er hatte derzeit wahrlich viel zu tun gehabt, nachdem man ihm seinen Hals aufgeschnitten und die Stimmbänder entfernt hat, damit das Telefonieren ihn nicht vom Schreiben ablenkt. Er verdiente Hartz IV. Und irgendwie, war er noch am besten dran. Wenn auch nicht zu sehen- für die Mehrheit.

Gelesen

Abendbrot, beispielsweise

blog_Organisch.JPGGelegentlich weiß man gar nicht so recht, was man sich so zu essen kochen soll, beispielsweise zum Abendbrot, unschlüssig schlendert man durch den Supermarkt, appetitlos, und schließlich kauft man das Sonderangebot, weil es im Grunde genommen egal ist, was man kauft, so ist es wenigstens billig Irgendetwas muss man essen, irgendwann, warum nicht das Billige sofort.

In Deutschland sinkt die Wahlbeteiligung ständig, bei der letzten Bundestagswahl lag sie unter 80 %, bei Kommunal- und Landtagswahlen liegt sie zwischen 55- und 65 %, bei Europawahlen noch darunter. Tendenz fallend, und obwohl das keine spektakulär schlechten Ergebnisse sind im Vergleich zum demokratischen Ausland, sollte man diese Entwicklung ernst nehmen oder sich zumindest darüber wundern. Dürfen.

Schließlich ist die Beteiligung an einer Wahl für die meisten von uns die einzige Möglichkeit, sich politisch zu äußern und vielleicht sogar: zu gestalten, sollte die von uns gewählte Partei einen Platz im Parlament erhalten. Der Ausgang einer Wahl betrifft oder trifft uns alle, im Kleinen wie im Großen: vom Platz im Kindergarten bis hin zu wie auch immer gearteten und begründeten Beteiligungen an Kriegen. Lokalpolitik und Weltpolitik. Man sollte dazu eine Meinung haben, und dann auch wollen, dass diese Meinung demokratisch durchgesetzt wird. Sonst wird für einen entschieden, und das heißt: über einen, und ganz selten werden da die eignen Interessen berücksichtigt werden. Zumal sie niemand kennt.

Begründet wird die fallende Wahlbeteiligung oft mit einer allgemeinen Politikverdrossenheit, oder Politikerverdrossenheit, man fühlt sich dieser Kaste hilflos ausgeliefert. Nur ist es in einer Demokratie so, dass die Politiker immer so mächtig sind, wie es die Mehrheit der Bevölkerung zulässt, und die einzige Möglichkeit, deren Macht zu regulieren, ist der Moment der Wahl, will man sich nicht selbst politisch engagieren durch Übernahme eines Mandates. Wählen Sie die Typen ab, wenn Sie Ihnen nicht gefallen, sie werden mächtiger mit jedem, der nicht wählt. Politiker sei ein schöner Beruf, so kürzlich ein bekannter SPD-Europaabgeordneter, wenn nur die Wahlen nicht wären, er meinte das völlig unironisch in einem seltenen Moment der Wahrheitsliebe, vermutlich.

weiterlesen…

Engel und Schmetterlinge

von Kindermund

Malst mir Landkarten mit Farben
die ich noch nicht sehen kann.

„Ich weiß“
kann ich nicht behaupten
“Ich verstehe“
nur bedingt

Ich kann dir glauben
und auf Zehenspitzen
entlang der Pfade gehen.
Habe mir gemerkt,
wo du sie gezeichnet hast.

Feilenöl

blog_Organisch.JPGEin furchtbarer Tag heute, wenn Sie mich fragen: Den ganzen Tag müssen Sie damit rechnen, von Ihren Mitmenschen belogen zu werden, man findet das lustig und nennt das: Aprilscherze. Die meisten dieser Scherze verharren auf eher niedrigem intellektuellem Niveau, so nach dem Motto: Wenn einer aus dem Fenster fällt ist das lustig, wenn zwei aus dem Fenster fallen: sehr lustig. Hauptsächlich dreht es sich darum, uns etwas völlig Absurdes glauben machen zu wollen, und einen Witz auf unsere Kosten zu machen, - das vor allem.

Das Problem ist nur: Unter dieser Form der Scherze in abgewandelter Form werden wir ein ganzes halbes Jahr lang zu leiden haben, nur geht es dabei nicht um höhere Dinge wie Wechselstrombatterien oder Feilenöl, sondern ganz profan um unsere Zukunft, oder, wenn Sie es pathetisch, patriotisch, solidarisch mögen: Um die Zukunft unseres Landes. Und man nennt das nicht Aprilscherze, sondern Wahlversprechen. Ansonsten gilt für diese besonders infame Form des öffentlichen Lügens aber dasselbe, was ich im vorigen Kapitel über die Aprilscherze geschrieben habe.

Ein legendäres Beispiel für die Umsetzung eines Wahlversprechens nach den Bundestagswahlen war die Diskussion um die so genannte „Merkelsteuer“ im vorigen Wahlkampf, die CDU hatte damals angekündigt, die Mehrwertsteuer um 2 % erhöhen zu wollen, und die SPD versprach lautstark bei allen sich bietenden Gelegenheiten, mit einer SPD-Regierung werde so etwas nie möglich werden. Das Ergebnis ist bekannt, nach der Bundestagswahl wurde die Mehrwertsteuer um 3 % erhöht, der damalige Parteichef der SPD, um eine Selbstbewertung der Glaubwürdigkeit der Wahlversprechen seiner Partei gebeten: Es sei unfair, an dem gemessen zu werden, was man im Wahlkampf gesagt habe. Da er jetzt wieder sehr viel sagt im Wahlkampf, habe ich mir das einmal gemerkt und bemühe mich ihm gegenüber um die größtmögliche Fairness, indem ich ihm kein, aber kein einziges Wort glaube.

weiterlesen…

Seitenanfang
All content is © by the authors | by wupperzeit 2oo4