Für Wortverdreher

keinthema.jpgZuerst wollte ich eine recycelte Kolumne anbieten an diesem Sonntag, mein verwöhntes Publikum war damit überhaupt nicht zufrieden, und ich danke dem Kollegen  wortverdreher, dass er diese Unzufriedenheit subtil, aber wahrscheinlich in Ihrer aller Namen artikuliert hat. Ich widme ihm diese Kolumne, sollte ihm die Kolumne, oder die Widmung, oder sogar beides nicht gefallen, entferne ich die Widmung, belasse es aber bei dem Kolumnentitel: Passt auf fast jede Kolumne, finden Sie nicht?

Nun, es lag nicht an mir, dass ich diesen kleinen Betrug an meiner Leserschaft begehen wollte, Schuld daran war die fehlerhafte Informationspolitik des Teams, die zwei verantwortlichen Damen hierfür mussten sich dafür verantworten, ich habe sie gefeuert. Allerdings finde ich die öffentliche Diskussion um diesen Vorfall hysterisch, und ich warne davor, bei der Untersuchung dieses Vorfalls das Team zu diskreditieren.

Übrigens, hysterisch, diskreditieren, selbst vollkommen schuldlos, und deshalb Leute feuern, es gibt da ein prominentes Beispiel aus der Politik, das mir da als Vorbild gedient hat, und wo wir schon mal bei dem Thema Vorbild sind… Man sagt doch immer, Eltern sollen Vorbilder sein, zumindest postulieren das die Vertreter der so genannten christlichen Partei, der dieser Herr angehört, und wer das oft von sich behauptet, Vorbild sein zu wollen, das sind Vertreter des so genannten Standes, dem der Kollege ebenfalls angehört, und den wir mit einigem Recht abgeschafft haben: des Adels also. Jetzt weiß ich gar nicht, ob der Herr von und auch zu Kinder hat, aber nehmen wir an:

Abendessen bei Barons zu Hause, die treue Dienerschaft serviert das von Herrn Hochgeboren selbst erhatzte Wildbret, vortrefflich zubereitet unter Aufsicht der angeblich schönen Baroness, und in diese Orgie aus Vorurteilen, Klischees und Kitschphantasien meinerseits fragt Herr Von den Sohn des Hauses nach den Fortschritten beim Absolvieren der Schullaufbahn, schließlich soll dieser dereinst das stattliche Gut übernehmen. Und der Thronfolger erklärt dem Herrn Papa, dass er keine Schulaufgaben mache und sich auch an Klassenarbeiten nicht beteilige, das läge an der Informationspolitik der Mitschüler und Lehrer, die ganze Diskussion darüber fände er hysterisch und so weiter…Ich frage mich, was Herr Zu darauf antworten mag, schwer vorstellbar, dass sein stolzes Lächeln sich verbreitert, aber im Grunde genommen hat das potentielle Kind Recht, es macht, was Hochwohldings ihm vorlebt.

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Im Garten

von tausendschön

Die Zeiten, in denen wir den Garten bestellten, sind schon lange vergangen. Als wir nach vielen Jahren der Arbeit begriffen, daß so nichts wachsen konnte und daß uns doch kein Unheil drohte, ließen wir die Harken sinken und nahmen die Leitern von den Bäumen. Allein die Bevölkerung war ein langsamer Prozeß. Im ersten Jahr kamen die Hautflügler, die den Saft der faulenden Früchte tranken. Das zweite Jahr war so bunt, als die Kräuter wuchsen und den Schmetterlingen entgegenblühten, um doch in den nächsten Sommern ihre Plätze anderen zu räumen. Aber schon im dritten Jahr glitzerten die ersten Käferpanzer zwischen den Halmen und Sprossen. So verging die Zeit, es kamen Sträucher und Vögel, die Nester in den Sträuchern bauten und sangen. Wir hörten einmal ein einsames Quaken von unserem Teich, doch es verstummte bald. Schließlich ergriffen die Nagetiere Besitz von unserer Küche. Wir teilten Brot und Wasser mit ihnen und buken sie im Ofen. Die Knochen legten wir vor die Türe, wo sie bei Einbruch der Dunkelheit verschwanden. Bald zermahlten wir sie und machten daraus ein Brot, das wir den Vögeln ins Gras bröckelten. Mit der Zeit gingen wir nur selten in den Garten, obwohl das Haus so sehr beengte. Die Nachbarn glaubten, wir trauten uns nicht mehr, doch in Wahrheit wollten wir den gerade erst geborenen Wald nicht stören. Die Arbeit hatten wir aufgegeben, weil all das Geld uns nicht zu unserer Natur verhalf. So saßen wir tagein, tagaus am Fenster und sehnten. Als einmal ein bleicher Obdachloser, der versicherte, der Vater vieler Söhne zu sein, an der Haustür klopfte und darum bat, im Garten zu kampieren, nahmen wir ihn in die Küche und teilten Brot und Wasser mit ihm. Die Knochen zermahlten wir und buken daraus ein Brot für die Nagetiere. Wir wurden glücklicher, als die Nachbarn hinter den wuchernden Sträuchern verschwanden. Doch dann aß der andere Mensch im Garten die Beeren von den Sträuchern, und ich mußte forthin alleine backen. Ich erfreute mich mehr denn je an den reinen Klängen des Gartens. Kurz vor Wald kamen dann Menschen und entnahmen mich der Idylle. Der Garten, zu dem sie mich brachten, ist von Menschen für Menschen gemacht. Hier liege ich im gemähten Gras und träume vom alternden Wald, in dem die morschen Bäume knicken, sich knirschend aneinanderreiben und klirrend zu Boden fallen. Aus dem fruchtbaren Boden erwachsen eintausend menschliche Embryos, die den Saft von den faulenden Früchten lecken, bis ihnen Flügel wachsen und sie, die Rotblinden, mit pollenbestäubten Haaren wie im Spiel von Blüte zu Blüte fliegen und dort den Saft der Nektarblätter trinken.

Gelesen

Natürlich Mord

keinthema.jpgEinige werden es gelesen haben: diese Woche ist ein so genannter ehemaliger Verteidigungsminister zurückgetreten. Ersparen wir uns die ekligen Details dieses Rücktritts, wie da laviert wurde und wie andererseits mit letzter Kraft versucht wurde, den neuen Job zu behalten mit aller Macht, was mich interessiert sind die Gründe, die zu diesem Rücktritt geführt haben. Es ging um Informationen, die vorenthalten wurden, um die „interne Informationspolitik“, worum es nicht ging: um die ermordeten Menschen bei diesem Angriff in Afghanistan. Wegen, wahrscheinlich, 180 ermordeten Menschen tritt in Deutschland niemand mehr zurück, anscheinend.

Konzipiert war die Bundeswehr ursprünglich als Verteidigungsarmee, mit dem strikten Verbot, in Krisengebieten eingesetzt zu werden. Schon früh stellte sich heraus, dass die Bundeswehr vorwiegend mit Angriffswaffen ausgerüstet war und so einen Verteidigungsauftrag nie erfüllen konnte, und wohl auch nicht wollte. Deutschland gehört zu den bedeutendsten Waffenexporteuren der Welt, und exportiert werden vorwiegend Angriffswaffen, mit denen dann konsequenterweise auch die deutsche Armee ausgerüstet wurde, Krieg ist immer in erster Linie ein Geschäft. Nach 1990, dem Niedergang des Warschauer Paktes, der von den Akteuren der Bundeswehr als Hauptgegner gesehen wurde, mussten neue Ziele und neue Gründe gefunden werden, eine hochgerüstete und teure Armee in einem demokratischen Land zu legitimieren. Legendär hier die Äußerung des damaligen Verteidigungsministers Struck (SPD), die Verteidigung Deutschlands fände „nicht mehr nur in Hindelang, sondern auch am Hindukusch“ statt. Wie das aussieht, erfahren wir jetzt.

Es ging um einige Liter Benzin, wahrscheinlich um weniger, als täglich in unsere Seen und Flüsse geleitet werden, als täglich oder vielleicht stündlich auf unsere Autobahnen fließen nach Unfällen oder ähnlichem, es ging um einen Dreck. Niedere Beweggründe würde man das im Zivilrecht nennen, der Anklagegrund: Mord, die Strafe dafür: Lebenslänglich, bei dieser Qualität mit anschließender Sicherheitsverwahrung.

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Unterwegs

Fotos: 42553 Neviges

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