Nunja

Nunja,…wie die Dinge ihren Reiz verlieren, wenn man sie trennt, und wenn man sie auch nur trennt, um eine Ordnung herzustellen, wieder herzustellen, nach Regeln, an die man sich gewöhnt hat oder gewöhnen musste, aber die Dinge verlieren ihren Charme, ihren Sinn, ihren Wert, meinetwegen, und am Ende ist alles Inordnung und es Istnichts und es ist ein Nun und ein Ja.

Und ich verstehe nichts von Autos, und interessiere mich nicht für sie, selbst für die nicht, die ich selbst fahre, und oft weiß ich weniger über sie als über mich selbst. So hatte ich mir einmal einen Wagen geborgt, das ist eine längere Geschichte, eine andere Anekdote. An dem Abend, ich hatte ihn etwa zwei Wochen gefahren, da musste ich abends noch tanken, und an der Tankstelle war ich der einzige Gast. Müde war ich damals, ständig todmüde, und vieles musste ich erledigen wie ein Automat, auch das Bezahlen an der Tankstelle, und weil ich immer vergesse, mir die Nummer der Zapfsäule zu merken, sagte ich eben:

„Der rote Peugeot, was macht das, bitte“, zählte dabei mein Geld, - oder: was man so macht.

Aber dieser Blick der Kassiererin, so seltsam sah sie mich an, so misstrauisch, und ich fragte:

„Stimmt etwas nicht“, denn es stimmt ja ständig irgendetwas nicht, vor allem, vor allem nicht, wenn es um Geld geht, am Schluss.

„Das ist kein Peugeot, das ist ein Renault“, und ich weiß nicht mehr, was ich dachte bei dieser Antwort, meistens denke ich: Albernedetails, wie schön wäre das Leben ohne diese albernen Details.

„Wie auch immer: wenn es dadurch billiger wird“, ganz bezaubernd: mein Lächeln dazu, und dieser Charme, und die Dame überlegte kurz, ob sie das Angebot annehmen sollte, Lächeln und Charme, aber billiger wurde es dadurch natürlich nicht, und als ich wieder in dem Rotenauto nach Hause fuhr, dachte ich darüber nach, dass es noch Ärger geben könnte, heute. Spektakulären Ärger, eben.

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Texte

Danke

keinthema.jpgWas werden Sie eigentlich heute machen, außer meine Kolumne zu lesen? Ich selbst werde heute wählen gehen, in dem Bundesland, in dem ich lebe, finden Landtagswahlen statt, eine dieses Mal besonders wichtige und spannende Wahl, weil ihr Ausgang ungewiss ist: Große Koalition oder Große Koalition ist hier die Frage. Und natürlich, wer diese Große Koalition leiten wird, Frau Rüttgers oder Herr Kraft, aufgrund derer starken Charaktere und klaren Überzeugungen hängt von dieser Entscheidung nicht nur das Schicksal Nordrhein Westfalens ab. Und anschließend werde ich meine Mutter besuchen, und mit ihr und meiner Familie gemeinsam den Muttertag feiern. Es wird ein viel zu reichliches Mittagessen geben und anschließend Kaffee und Kuchen für eine ganze Armee, und es wird überhaupt wunderschön werden.

Ob Sie selbst mit Ihrer Familie diesen Ehrentag ähnlich begehen, das weiß ich nicht, was ich weiß: Heute werden auf der Welt 17.000 Kinder verhungern, dies ist Zahl, die die UNICEF in ihrem Kinderreport 2010 angibt. 550 Kinder werden in einem der Kriege sterben, die derzeit in ca. vierzig Staaten vor allem gegen die Zivilbevölkerung geführt werden. 5480 Kinder werden als Folge dieser Kriege zu Flüchtlingen werden, die Anzahl der Kinder, die durch Minen und ähnliches lebenslänglich verkrüppelt oder sonst wie verletzt werden, ist ungefähr doppelt so groß. Insgesamt werden, während wir den Muttertag feiern, ca. 25.000 Kinder sterben, viele an Krankheiten, die leicht zu verhindern wären, würde das Schicksal dieser Kinder irgendjemanden interessieren in der so genannten zivilisierten Welt. Vier Millionen Kinder werden sich heute als Prostituierte missbrauchen lassen müssen weltweit, und 191 Millionen Kinder in der Welt werden heute arbeiten müssen, unter Bedingungen, die Herr Westerwelle und seine Kumpane nicht einmal einem Hartz IV-Empfänger zumuten würden. 300 000 Kinder werden als so genannte Kindersoldaten verheizt werden.

In Deutschland werden am 09. Mai 2010 ca. 2,5 Millionen Kinder arm sein wie jeden Tag, auch im doch im Grunde genommen reichen Deutschland haben nicht alle Mütter und ihre Familien einen besonderen Grund zu feiern. 320 000 Kinder werden in Deutschland heute Opfer sexuellen Missbrauchs werden, 20.000 Kinder werden heute als Prostituierte vergewaltigt werden. 110 Kinder werden heute im Straßenverkehr verunglücken… Usw. Leider: Und so weiter.

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Omerta

Für Sarah

keinthema.jpgGestern Abend habe ich mit einer Freundin telefoniert, lange, für meine Verhältnisse, und es war schon spät, für meine Verhältnisse. Aber ich bin eingeschlafen danach als ein glücklicher Mensch, denn meine Freundin und ich hatten etwas gerettet, was zu den wichtigsten Dingen im Leben zählt, zu den moralisch wichtigsten: wir hatten eine Freundschaft gerettet. Es gibt kaum etwas Wichtigeres als Freundschaft im Leben, die Freundschaft ist die Mitte zwischen dem Gefühl der Liebe, das man nur für die allerwenigsten Menschen in einem Leben empfindet, und dem Gefühl des Mitleides, das man für alle Menschen empfinden sollte, ein ganz besonderer Schwerpunkt in einem Leben.

Eine Freundschaft entsteht auch aus einer Mitte, weil man ein „Medium an Weltinteressen“ gefunden hat, wie Schopenhauer das nannte, also eine gemeinsame Mitte in den Dingen, die das eigene Leben ausmachen. Oft genügt dazu eine einzige Sache, um diese Mitte zu finden, beispielsweise das Interesse an Büchern. Damit aus diesem Medium eine Freundschaft entstehen kann bedarf es der gegenseitigen Sympathie, nicht jeder, mit dem man Interessen teilt, ist man befreundet oder bereit sich anzufreunden, fehlt die Sympathie, oder besteht sogar eine Abneigung gegen einen Menschen, der gemeinsame Interessen mit einem selbst hat, kann daraus sogar so etwas wie eine Feindschaft entstehen. Man verteidigt dann gewissermaßen seine eigenen Dinge gegen diesen Menschen, oder, um es schlicht zu formulieren: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Blödian die gleichen Bücher mag wie ich, die Bücher sind für mich gewissermaßen entwertet dadurch, dass ein Heiterle sie mag.

Ganz wichtig für den Fortbestand einer Freundschaft ist der gegenseitige Respekt, man kennt die Stärken und Schwächen seines Freundes und akzeptiert diese aus Freundschaft. Respekt ist ein Zustand zwischen Verachtung und Bewunderung, wieder eine Mitte also. Man ist bereit, das ernst zu nehmen, was der Freund sagt und wie er handelt, auch wenn es einem auf den ersten Blick nicht plausibel erscheint, weil man einen Grundrespekt vor ihr oder ihm hat und so zuerst einmal davon ausgeht, dass es richtig ist, was sie oder er entschieden hat. Da man aber in ständiger Sorge um das Wohlbefinden seines Freundes ist, prüft man seine Entscheidungen mit den eigenen Mitteln und versucht ich vor Fehlentscheidungen zu bewahren. Bei jemandem, den man verachtet oder bewundert fehlt diese Sorge um das Glück des Anderen und so gesehen auch der Respekt vor der Person. Bei jemandem, den man bewundert, fehlt der Respekt vor dessen Schwächen, und bei jemandem, den man verachtet, der Respekt vor seinen Stärken.

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