Danke
Was werden Sie eigentlich heute machen, außer meine Kolumne zu lesen? Ich selbst werde heute wählen gehen, in dem Bundesland, in dem ich lebe, finden Landtagswahlen statt, eine dieses Mal besonders wichtige und spannende Wahl, weil ihr Ausgang ungewiss ist: Große Koalition oder Große Koalition ist hier die Frage. Und natürlich, wer diese Große Koalition leiten wird, Frau Rüttgers oder Herr Kraft, aufgrund derer starken Charaktere und klaren Überzeugungen hängt von dieser Entscheidung nicht nur das Schicksal Nordrhein Westfalens ab. Und anschließend werde ich meine Mutter besuchen, und mit ihr und meiner Familie gemeinsam den Muttertag feiern. Es wird ein viel zu reichliches Mittagessen geben und anschließend Kaffee und Kuchen für eine ganze Armee, und es wird überhaupt wunderschön werden.
Ob Sie selbst mit Ihrer Familie diesen Ehrentag ähnlich begehen, das weiß ich nicht, was ich weiß: Heute werden auf der Welt 17.000 Kinder verhungern, dies ist Zahl, die die UNICEF in ihrem Kinderreport 2010 angibt. 550 Kinder werden in einem der Kriege sterben, die derzeit in ca. vierzig Staaten vor allem gegen die Zivilbevölkerung geführt werden. 5480 Kinder werden als Folge dieser Kriege zu Flüchtlingen werden, die Anzahl der Kinder, die durch Minen und ähnliches lebenslänglich verkrüppelt oder sonst wie verletzt werden, ist ungefähr doppelt so groß. Insgesamt werden, während wir den Muttertag feiern, ca. 25.000 Kinder sterben, viele an Krankheiten, die leicht zu verhindern wären, würde das Schicksal dieser Kinder irgendjemanden interessieren in der so genannten zivilisierten Welt. Vier Millionen Kinder werden sich heute als Prostituierte missbrauchen lassen müssen weltweit, und 191 Millionen Kinder in der Welt werden heute arbeiten müssen, unter Bedingungen, die Herr Westerwelle und seine Kumpane nicht einmal einem Hartz IV-Empfänger zumuten würden. 300 000 Kinder werden als so genannte Kindersoldaten verheizt werden.
In Deutschland werden am 09. Mai 2010 ca. 2,5 Millionen Kinder arm sein wie jeden Tag, auch im doch im Grunde genommen reichen Deutschland haben nicht alle Mütter und ihre Familien einen besonderen Grund zu feiern. 320 000 Kinder werden in Deutschland heute Opfer sexuellen Missbrauchs werden, 20.000 Kinder werden heute als Prostituierte vergewaltigt werden. 110 Kinder werden heute im Straßenverkehr verunglücken… Usw. Leider: Und so weiter.
Alle diese Kinder haben eine Mutter oder eine andere Person, die heute um sie weint, während wir behaglich unsere Mütter feiern dürfen, oder als Mutter gefeiert werden. Ein empörendes Unglück auf der einen Seite und ein großes Glück auf der anderen Seite, wobei Beides natürlich ursächlich zusammen hängt, das Unglück der Vielen und das Glück der Wenigen. Man sollte dankbar sein für sein Glück, und diese Dankbarkeit als Chance sehen, sich zu empören aus Mitleid im Wortsinne.
Heute melden die Nachrichtenagenturen, dass die Angehörigen der Opfer des Kunduzmordes eine Entschädigung von 4000 Euro erhalten werden, einige der Parteien, die dafür verantwortlich sind, dass solche Verbrechen geschehen dürfen, treten heute zur Wahl an in NRW. Man sollte sie nicht wählen, sie sollten nirgendwo an der Macht sein, solange sie ihre Kriege führen wollen, in keiner einzigen Stadt, in keinem Bundesland und schon gar nicht als Bundesregierung. Mir wollte heute eine Vertreterin einer dieser Parteien eine Rose schenken für meine Mutter, ich habe angewidert abgelehnt, die Blumen für meine Mutti kaufe ich selbst in der Hoffnung, dass keine Familien für sie sterben oder leiden mussten. So wie ich meine Kindheit erleben durfte ohne größeres Leid; - dafür danke ich dem Glück meiner Mutter und meiner Mutti selbst sehr. Ich wünsche Ihnen, dass Sie das auch von sich denken, sagen oder schreiben können, und außerdem:
Einen schönen Tag.
