Eine Operette

keinthema.jpgGerade habe ich einen interessanten Artikel gelesen, in der SZ-Onlineausgabe, den Quatsch einmal zusammengefasst behauptet dort ein Herr von G. Folgendes: Dem Ansehen Deutschlands im Ausland und dem Ansehen des Amtes deutschen Außenministers überall schadet es nicht, dass offensichtlich heute und in der Vergangenheit Spenden an die Partei des Amtsinhabers oder sehr persönliche Beziehungen zu diesem in einem, nun, nennen wir es freundlich: engem Zusammenhang stehen. Dem Ansehen schade es vielmehr, wenn Kritik an diesen Praktiken geübt werde. Wobei dieser Herr nicht verschweigt, dass er selbst zu elf Auslandsreisen eingeladen war und an sieben teilgenommen hat. Beispielhaft erwähnt er eine dieser Exkursionen, die, obwohl solche Zusammenhänge im gesamten Artikel bestritten werden, merkwürdigerweise doch einen solchen hatte: Er durfte dem chinesischen Staatspräsidenten eines seiner Projekte vorstellen, assistiert wurde ihm bei dieser Präsentation von dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Die Wirtschaft unterliegt keinerlei moralischen Grundsätzen, nur dem einen einzigen, nämlich Profit zu erwirtschaften, und jemandem, der behauptet, er vertrete Wirtschaftsinteressen irgendwo oder überall vollkommen selbstlos, glaube ich kein Wort. Zumal ein solcher Unternehmer ein schlechter wäre, in der Wirtschaft führt Selbstlosigkeit in aller kürzester Zeit in den eigenen Ruin, und wenn jemand gar vorgibt, selbstlos die Wirtschaftsinteressen einer gesamten Nation zu vertreten, so ist vor einem solchen Gutmenschen sogar ausdrücklich zu warnen, er ist auf dem Weg, eine gesamte Volkswirtschaft zu ruinieren. Niemand vertritt die Interessen einer nationalen Wirtschaft, jeder vertritt die eigenen und behauptet, damit allgemeine Interessen zu vertreten, oder er glaubt sogar daran. Eine solche Behauptung oder ein solcher Glaube ist weder soziologisch noch philosophisch, auch psychologisch nicht plausibel, ein Grund für die zahlreichen Zusammenbrüche kapitalistischer Systeme, die wir in jüngster Geschichte, beispielsweise, beobachten durften. Aktuelles Beispiel: der Bankrott Griechenlands. Vielleicht einmal ein Thema für eine andere Kolumne.

So gesehen geht und ging es also bei Auslandsreisen unserer Politiker vorwiegend um Geschäfte, die im Vorfeld solcher Reisen angebahnt werden. Man lässt einen Herrn Westerwelle das nicht selbst machen, dazu hat er seine Experten in seinem Ministerium, die reisen mit den Experten der Wirtschaftsunternehmen vorab an. Der Besuch selbst ist dann Operette, so wird das auch in dem zitierten Artikel beschrieben und genannt. Kein Grund zur Aufregung, immerhin hat der mündige Bürger durch seine Stimmabgabe bei Wahlen entschieden, dass solche Spektakel stattfinden und seit Jahren keine Politiker mehr als Vertreter gewählt, sondern Lobbyisten.

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kirschprinzip

keinthema.jpgkirschprinzip nannte sich eine junge Kollegin, die im Alter von 14 Jahren begann, ihre Prosa in unserem kleinen Forum zu veröffentlichen, eine Prosa voller Sprachgewalt und Kraft, oft drastisch in der Wortwahl und voller Wut über die Kälte und Grausamkeit einer so genannten zivilisierten Welt. kirschprinzip hatte es nicht immer leicht bei uns, als ihre ersten Texte erschienen wurde ihr vorgeworfen, es handele sich bei ihrem Nick um einen „Fake“, sie müsse bedeutend älter als 14 Jahre alt sein, und später hatten die Admins so manches Mal ihre liebe Not damit, ihre Texte nicht als jugendgefährdend einschätzen zu müssen… Viele werden sich auch erinnern, dass sie sich für die Jugendarbeit bei KV engagiert hat, so hat sie aktiv an der Jugendanthologie mitgearbeitet und vieles mehr. Bis sie dann eines Tages gegangen ist.

Heute kennt man sie als die Bestsellerautorin, Dramaturgin und preisgekrönte Filmemacherin Helene Hegemann. Über ihre Erfolge wird kontrovers diskutiert in den Medien, und auch hier bei kV in dem entsprechenden Forenthread. Unbestritten ist aber wohl, dass die oben genannten künstlerischen Leistungen in anderen Biografien als erfolgreiche Lebensleistung gelten würden. Und für KV-Verhältnisse müsste man sogar relativieren, dass das Verfassen eines Dramas, das Drehen eines Films und erst recht das Schreiben eines Romans Dinge sind, die weit über die Talente vieler User hinausgehen, was allein das rein handwerkliche betrifft. Über meine eigenen auch, beispielsweise. Und dass man vor dieser Leistung Respekt haben sollte.

Da die Leistungen nur schwer bestreitbar sind, beginnt man an den Umständen zu kritisieren, die zu diesen Leistungen geführt haben. Helene Hegemann hat also einen berühmten Vater. Wirklich? Bevor Helene Hegemanns Name in den Feuilletons auftauchte, kannte in meinem Freundes-und Bekanntenkreis, zu dem auch zahlreiche KVler gehören, niemand Professor Carl Hegemann, und er ist so berühmt, dass Wikipedia meinte, seine Biografie um den Zusatz ergänzen zu müssen: Vater von Helene Hegemann. Und Helene Hegemann ist gar nicht bei dem Vater aufgewachsen, sondern bei der Mutter, zuletzt im eher beschaulichen Bochum. Und zog erst nach dem Tod der Mutter im Alter von 14 Jahren nach Berlin. Der Einfluss des Vaters auf ihre bisherige Biografie scheint wohl eher gering zu sein.

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Ein Sozialromantiker

keinthema.jpgWissen Sie eigentlich, was oder wer ein Arschloch ist, bei dessen Anblick man entweder kotzen möchte oder so angeekelt ist, dass man dieser hässlichen Drecksau am liebsten die Fresse polieren möchte? Ich nicht, ich denke nicht in solchen Kategorien und benutze solche Schimpfworte nicht, nur zur Abschreckung oder als Metapher, beispielsweise, und ich kenne auch solche Menschen nicht. Wen ich kenne ist, wieder beispielsweise: Roland Koch, Sohn des früheren hessischen Justizministers Karl-Heinz Koch, seit 1999 Ministerpräsident von Hessen, stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU. In seiner Doppelfunktion als Ministerpräsident von Hessen und Aufsichtsratvorsitzender der „Fraport AG“, einem Unternehmen, das an dem umstrittenen Ausbau des Rhein-Main-Flughafens beteiligt war, bewilligte er zwei Vorstandsvorsitzenden eine Erhöhung ihrer Gehälter um nahezu 50 % und kürzte gleichzeitig das Weihnachtsgeld der Betriebsrentner um den gleichen Prozentsatz. Im Zuge der CDU- Parteispendenaffaire geriet der sich selbst als „brutalstmöglicher Aufklärer“ postulierende Herr in Bedrängnis, als rückdatierte Quittungen auftauchten, die seine eigene Rolle im Zusammenhang mit den so genannten „jüdischen Vermächtnissen“ zumindest, nennen wir es freundlich: fraglich erscheinen lassen. Damals trat als offensichtliches Bauernopfer der Chef der Staatskanzlei zurück, ein gewisser Franz-Josef Jung, später Verteidigungsminister und ziemlich kurz auch Arbeitsminister, seine Geschichte dürfte bekannt sein. Ein Zögling Roland Kochs ist auch die derzeitige Familienministerin Kristina Köhler, möge es ihr besser ergehen als Franz-Josef Jung, auch, was ihre Karriere betrifft.

Roland Koch fordert heute, sicherlich vor dem Hintergrund der eigenen Biografie, in der der Begriff „Gemeinwohl“ ganz offensichtlich eine zentrale Rolle spielt, eine Arbeitspflicht für Langzeitarbeitslose, zur Abschreckung, um den Bezug des ALG II nicht als „angenehme Variante“ zu empfinden. Konkrete Vorschläge macht er dabei (noch) nicht, er spricht ganz allgemein von „niederwertigen Tätigkeiten in einer öffentlichen Beschäftigung“, und da er sicherlich nicht das Amt des Ministerpräsidenten von Hessen oder das der Familienministerin damit meint, geht es hier vermutlich um Reinigungsarbeiten, die niemandem zuzumuten sind außer ständig besoffenen Übergewichtigen, die in überheizten Räumen hocken, Fernsehen schauen und allzeit Kopftuchmädchen zeugen, deren Erziehungsgeld sie dann versaufen und verfressen können, - so stellen sich führende Sozialdemokraten den Alltag eines Langzeitarbeitslosen vor. Übrigens. Und er meint sicherlich auch keine moralischen Tätigkeiten, wenn er an Reinigungsarbeiten denkt, wie zum Beispiel den ganzen Dreck zu entsorgen, den manche Personen des öffentlichen Lebens verbal oder schriftlich oder so produzieren.

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Für Wortverdreher

keinthema.jpgZuerst wollte ich eine recycelte Kolumne anbieten an diesem Sonntag, mein verwöhntes Publikum war damit überhaupt nicht zufrieden, und ich danke dem Kollegen  wortverdreher, dass er diese Unzufriedenheit subtil, aber wahrscheinlich in Ihrer aller Namen artikuliert hat. Ich widme ihm diese Kolumne, sollte ihm die Kolumne, oder die Widmung, oder sogar beides nicht gefallen, entferne ich die Widmung, belasse es aber bei dem Kolumnentitel: Passt auf fast jede Kolumne, finden Sie nicht?

Nun, es lag nicht an mir, dass ich diesen kleinen Betrug an meiner Leserschaft begehen wollte, Schuld daran war die fehlerhafte Informationspolitik des Teams, die zwei verantwortlichen Damen hierfür mussten sich dafür verantworten, ich habe sie gefeuert. Allerdings finde ich die öffentliche Diskussion um diesen Vorfall hysterisch, und ich warne davor, bei der Untersuchung dieses Vorfalls das Team zu diskreditieren.

Übrigens, hysterisch, diskreditieren, selbst vollkommen schuldlos, und deshalb Leute feuern, es gibt da ein prominentes Beispiel aus der Politik, das mir da als Vorbild gedient hat, und wo wir schon mal bei dem Thema Vorbild sind… Man sagt doch immer, Eltern sollen Vorbilder sein, zumindest postulieren das die Vertreter der so genannten christlichen Partei, der dieser Herr angehört, und wer das oft von sich behauptet, Vorbild sein zu wollen, das sind Vertreter des so genannten Standes, dem der Kollege ebenfalls angehört, und den wir mit einigem Recht abgeschafft haben: des Adels also. Jetzt weiß ich gar nicht, ob der Herr von und auch zu Kinder hat, aber nehmen wir an:

Abendessen bei Barons zu Hause, die treue Dienerschaft serviert das von Herrn Hochgeboren selbst erhatzte Wildbret, vortrefflich zubereitet unter Aufsicht der angeblich schönen Baroness, und in diese Orgie aus Vorurteilen, Klischees und Kitschphantasien meinerseits fragt Herr Von den Sohn des Hauses nach den Fortschritten beim Absolvieren der Schullaufbahn, schließlich soll dieser dereinst das stattliche Gut übernehmen. Und der Thronfolger erklärt dem Herrn Papa, dass er keine Schulaufgaben mache und sich auch an Klassenarbeiten nicht beteilige, das läge an der Informationspolitik der Mitschüler und Lehrer, die ganze Diskussion darüber fände er hysterisch und so weiter…Ich frage mich, was Herr Zu darauf antworten mag, schwer vorstellbar, dass sein stolzes Lächeln sich verbreitert, aber im Grunde genommen hat das potentielle Kind Recht, es macht, was Hochwohldings ihm vorlebt.

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Natürlich Mord

keinthema.jpgEinige werden es gelesen haben: diese Woche ist ein so genannter ehemaliger Verteidigungsminister zurückgetreten. Ersparen wir uns die ekligen Details dieses Rücktritts, wie da laviert wurde und wie andererseits mit letzter Kraft versucht wurde, den neuen Job zu behalten mit aller Macht, was mich interessiert sind die Gründe, die zu diesem Rücktritt geführt haben. Es ging um Informationen, die vorenthalten wurden, um die „interne Informationspolitik“, worum es nicht ging: um die ermordeten Menschen bei diesem Angriff in Afghanistan. Wegen, wahrscheinlich, 180 ermordeten Menschen tritt in Deutschland niemand mehr zurück, anscheinend.

Konzipiert war die Bundeswehr ursprünglich als Verteidigungsarmee, mit dem strikten Verbot, in Krisengebieten eingesetzt zu werden. Schon früh stellte sich heraus, dass die Bundeswehr vorwiegend mit Angriffswaffen ausgerüstet war und so einen Verteidigungsauftrag nie erfüllen konnte, und wohl auch nicht wollte. Deutschland gehört zu den bedeutendsten Waffenexporteuren der Welt, und exportiert werden vorwiegend Angriffswaffen, mit denen dann konsequenterweise auch die deutsche Armee ausgerüstet wurde, Krieg ist immer in erster Linie ein Geschäft. Nach 1990, dem Niedergang des Warschauer Paktes, der von den Akteuren der Bundeswehr als Hauptgegner gesehen wurde, mussten neue Ziele und neue Gründe gefunden werden, eine hochgerüstete und teure Armee in einem demokratischen Land zu legitimieren. Legendär hier die Äußerung des damaligen Verteidigungsministers Struck (SPD), die Verteidigung Deutschlands fände „nicht mehr nur in Hindelang, sondern auch am Hindukusch“ statt. Wie das aussieht, erfahren wir jetzt.

Es ging um einige Liter Benzin, wahrscheinlich um weniger, als täglich in unsere Seen und Flüsse geleitet werden, als täglich oder vielleicht stündlich auf unsere Autobahnen fließen nach Unfällen oder ähnlichem, es ging um einen Dreck. Niedere Beweggründe würde man das im Zivilrecht nennen, der Anklagegrund: Mord, die Strafe dafür: Lebenslänglich, bei dieser Qualität mit anschließender Sicherheitsverwahrung.

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Blut und Öl

blog_Organisch.JPGKürzlich äußerte ein innenpolitischer Sprecher einer ehemaligen Volkspartei, das einzig störende in der Berufsausübung eines Politikers seien die Wähler. Nun, habe ich gedacht: Kein Problem für mich, Dieter, wenn es alle halten wie ich, dass sie Deinen Laden nicht wählen, so hast Du dieses Problem bald nicht mehr, und: Gerne geschehen. Es ist nämlich Tradition in dieser Partei, dass man sich duzt, und da der Nachname dieses Herren fast so albern klingt wie so mancher KV-Nick, könnte man versucht sein, auch seine Aussagen nicht ernst zu nehmen, wenn man den Namen sofort liest am Anfang einer seriösen Kolumne. So wie man die Texte vieler KV-Kollegen nicht ernst nimmt, weil sie unter einem lächerlichen Nick veröffentlicht werden. Ob zu Recht oder nicht: das ist ein weites Dings.

Nach kurzem Nachdenken kam es mir aber plötzlich so vor, als hätte ich es mir zu leicht gemacht mit meiner spontanen Gedankenreplik. Ich habe an den durchschnittlichen Leser meiner Kolumne gedacht, also an Sie: promovierter Akademiker in gehobener Funktion arbeitend, und dieser hat in seinem Arbeitsvertrag eine Klausel stehen, die ihn verpflichtet, alle vier Jahre seine Qualifikation und Leistung in seinem Beruf von einer Jury beurteilen zu lassen, die auch entscheidet, ob er/sie diese Tätigkeit weiter ausüben darf. Leider besteht diese Jury nicht aus Angehörigen Ihrer eigenen Berufsgruppe, sondern Sie, als Beispiel, werden als Chefarzt einer Uniklinik von einer buntgemischten Gruppe aus Lackierern, Maurern, Automechanikern und Schlossern beurteilt, zu allem Überfluss ist diese Jury auch noch paritätisch von Frauen besetzt. Nicht anrufen, bitte, das war ein Scherz, das mit dem Überfluss und mit dem: zu allem. Wie dem auch sei: diese Jury prüft also Ihre Krankenberichte, studiert Ihre Akten usw., jedenfalls simulieren sie dieses Studium mehr oder minder glaubhaft. Wobei Sie als Arzt noch die wichtigsten Belege Ihrer Erfolge nicht vorlegen dürfen, wegen der ärztlichen Schweigepflicht, zum Beispiel. Falls sich das Gremium überhaupt diese Mühe macht und nicht offen zugibt, dass diese Kommission nach dem äußeren Eindruck entscheiden wird, den man von Ihnen hat, nicht, ohne keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegen Ihre Berufsgruppe an sich und ihren Beruf im Allgemeinen zu machen. Alle vier Jahre sind da Ihre Fähigkeiten als Entertainer gefragt. Oder, um es noch schlimmer und so gesehen deutlicher zu machen: Einige der Jurymitglieder sind von Ihnen behandelt worden, Sie haben schmerzhafte Operationen durchführen müssen, deren Sinn und Erfolge sich nur dem Insider erschließen… Übrigens können Sie es sich auch umgekehrt vorstellen, sollten Sie Rektor an einer Waldorfschule sein, Sozialpädagogin oder Ähnliches: Ärzte, Architekten, Juristen und Frauen beurteilen also die Arbeit eines Automechanikers in vierjährigem Rhythmus. Das wäre Ihnen schon ziemlich lästig, vermute ich.

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Orgie des Wissens

blog_Organisch.JPGKürzlich habe ich mir “Kerner” angeschaut, eine Sendung, die den derzeitigen Kanzlerkandidaten der SPD porträtieren sollte. Wie üblich bei Kerner ein netter Plausch, niemand stört den Anderen mit bösen Fragen und so logischerweise auch nicht mit bösen Antworten, die Gattin war anwesend, also die des Politikers, aber man hätte sich vorstellen können, auch Kerner hätte seine Familie einladen können, um das Ganze dann nicht in einem Fernsehstudio, sondern beim Edelitaliener stattfinden lassen zu können. Nette Menschen, die nett plaudern. Man glaubte da als Zuschauer, fast ein wenig zu stören.

Interessant wurde es erst, als einige der legendären Publikumsbefragungen eingeblendet wurden. Kerner leistet sich die gelegentlich, sie haben einen hohen Unterhaltungswert, da scheinbar einfache Fragen gestellt werden und die Befragten trotzdem die kuriosesten Antworten geben. Eine dieser Fragen lautete hier: „Wer ist Frank Walter Steinmeier?“, und kaum jemand der Befragten wusste eine Antwort zu geben, die man nicht mit dem Adjektiv „ahnungslos“ bezeichnen musste, wollte man diese Orgie der Unwissenheit denn freundlich kommentieren. Man mag Steinmeier als Kandidaten nicht kennen, man mag seine Partei nicht kennen, aber immerhin ist der Herr unser amtierender Außenminister, und wer zur Zeit die Interessen Deutschlands zumindest offiziell im Ausland vertritt, das sollte man doch mitbekommen haben, wenn man gelegentlich die Nachrichten schaut oder eine Zeitung liest. Ich frage mich, was die Leute wohl so denken, wer der Kollege ist, der da ständig durch die Nachrichten geistert bei Auslandsbesuchen oder Staatsempfängen…

Oder haben die Leute Recht, sich diese Namen unserer so genannten Entscheidungsträger nicht zu merken, weil es keine Rolle spielt, wer dieses Amt gerade ausübt? Ich bin kein Prophet, aber ich sage einmal voraus, dass, sollte die derzeitige Koalition nicht fortgesetzt werden, unser Außenminister demnächst mit großer Wahrscheinlichkeit Westerwelle heißen wird, zumal beide derzeitige Regierungsparteien ulkigerweise angekündigt haben, mit der FDP koalieren zu wollen. Beide, was nicht ulkig an sich ist, sondern die Tatsache sollte aufhorchen lassen, dass beide Parteien glauben, auch mit der FDP zusammenarbeiten zu können. Das wirft ein bezeichnendes Licht auf die inhaltlichen Positionen der großen Parteien, jeder kann da mit jeden regieren, die Inhalte sind austauschbar, und genauso die Personen. Hier sollte man allerdings nicht den fatalen Fehler machen, sich auch für die Inhalte nicht zu interessieren, zumindest dann nicht, wenn man von den Folgen einer Umsetzung betroffen ist, man also nicht zu den finanziell gesehen Oberen Zehntausend oder sogar zu den unteren gehört… Oder mit denen sympathisiert.

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